Der Alltag beginnt

2. Tag in Samsun. Den ersten Kurs gehabt, Studentinnen kennengelernt. Eine von ihnen hat uns gleich zu sich nach Hause eingeladen zum Essen. Haben in der Kantine gegessen, man musste sich selbst bedienen. Das Essen war super billig 1,60 TL (umgerechnet ca. 80 Cent) und mega lecker.

Der Türkischlehrer war mal im Sandžak und verglich die Türkische Sprache im Unterricht ständig mit der Serbischen (aber ok er kennt nur das). Manche hier haben echt gar keine Türkischkenntnisse. Ich bin so froh, dass ich wenigstens ab und zu was verstehe. Die 1,5 Jahre Türkischsprachkurs haben sich gelohnt. Mehr von diesem Beitrag lesen

1. Tag in Samsun

samsun

Ich habe vor ein paar Jahren ein Auslandssemester gemacht, ich ging damals in die Türkei und habe einiges dort erlebt. Ein paar Eindrücke, die ich noch habe, da ich damals mehr oder weniger fleißig Mails an meine Schwester geschrieben habe, möchte ich hier mit euch teilen. Nun zu meinem 1. Tag in Samsun (Stadt an der Schwarzmeerküste der Türkei).

Alsoooo, mein erster Tag in Samsun war so. Wir (Ayla & ich) kamen am Flughafen an und warteten dort erst mal auf unsere Koffer. Einige der Passagiere hatten ihre Koffer schon als man uns sagte wir müssten in die andere Halle rüber. OK, wir also in die andere Halle, dort auch nur ein paar Koffer gewesen. Wir gucken den Typen, der dort arbeitet, an und er so „ja, das sind alle“. Ich dachte  „naaaaaaaa toll“ war so klar das mir das passiert, da ich ja auch noch am Abend zuvor Witze darüber gerissen hab, dass ich mich totlachen würde, wenn meine Koffer weg sind. Tja, fordere niemals das Schicksal heraus, es rächt sich. Mehr von diesem Beitrag lesen

Auf dem Weg ins Kackar-Gebirge.

Nachdem wir uns von Mahmut verabschiedet hatten, verbrachten wir einige Zeit an der Straße bis ein LKW hielt, der nach Azerbaijan fuhr. Der LKW Fahrer war kein sehr gesprächiger Mann, ich wechselte keine zwei Sätze mit ihm, dies überlies ich den anderen. Der sehr dünne Mann nahm uns bis Pazar* mit. Wir hatten nicht damit gerechnet so weit zu kommen, die Reise verlief besser als erwartet.

Wieder mal standen wir an der Straße, diesmal diskutierten wir darüber wo wir schlafen sollten. Ich war natürlich für ein nettes Hotel, etwas warmes zu Essen und ein gemütliches Bett zum Schlafen. Dies stieß bei den Einsparrungen, die sich der mit uns reisende tschechische Erasmusstudent (nennen wir ihn Vojtech) vorgenommen hatte, auf Widerstand. Da Miriam seiner Meinung war ging es also unter die neben der Straße liegende Brücke. Ja richtig! Wir schliefen unter einer Brücke. Ich konnte mich dafür ganz und gar nicht begeistern, da meine Gedanken schon bei einer heißen Corba** und einem warmen Bett waren. Innerlich erklärte ich mich selbst für verrückt, dass ich dies alles mitmachte und stellte mir vor was meine Mutter sagen würde, wenn sie das alles mitbekommen hätte. Ich wäre bestimmt für nicht zurechnungsfähig eingestuft worden.

Das Gras unter der Brücke wuchs sehr hoch, etwas über einen Meter. Wir fanden einen Platz, der von der Straße aus nicht gesehen werden konnte, da er von völligem grün abgeschirmt war. Steine (die wir kaum sahen, da es schon dunkel war) räumten wir aus dem Weg und schlugen unser Nachtlager, bestehend aus Schlafsäcken auf, aßen etwas und versuchten zu schlafen. Meine Nacht verlief sehr unruhig, die von den Steinen übriggebliebenen Löcher machten mir zu schaffen und ermöglichten es nicht sich auch nur annähernd bequem einzurichten.

Erst am Morgen konnten wir unser Umfeld wahrnehmen. Vor unseren Augen breitete sich das blaue Meer aus und hinter uns lag ein kleiner Ort, in dessen Rücken die Berge emporprangten, wie zur Verteidigung vor einer Bedrohung.  Mit Aussicht auf das Meer verschlangen wir die Essensreste vom Vortag, gingen in den kleinen Ort hinüber und machten uns anschließend mit einem Dolmus*** auf den Weg nach Ayder. Dort angekommen trafen wir auf zwei Tschechinnen, die ebenfalls in das Kackar-Gebirge wollten. So beschlossen wir zusammen hochzusteigen. In Ayder kauften wir uns noch Essensproviant und warteten auf den nächsten Dolmus, der nach Kafron (eine Anhöhe des Gebirges) fuhr.

Wie auf alles andere warteten wir auch einige Zeit auf den Dolmus. Miriam und ich sahen uns in dem kleinen Örtchen etwas um. Ich kaufte (wie in jedem Ort) einen Kühlschrankmagneten und suchte verzweifelt nach einer Postkarte. Irgendwann fand ich einen kleinen Laden, der welche hatte (sie sahen aus, als wären sie schon 10 Jahre alt, spiegelten allerdings die Landschaft genauso wieder wie sie heute aussah). Ich wollte ihm eine abkaufen, aber der Ladenhändler wusste selbst keinen Preis zu nennen, also schenkte er mir die Postkarte zusammen mit einem Mini-Heftchen türkischer Küche. Ich bedankte mich herzlich und wünschte ihm noch alles Gute, bevor wir in die Berge aufbrachen.

*Pazar ist ein kleiner Ort am Schwarzen Meer, westlich von Rize, gelegen.
**Corba ist die türkische Bezeichnung für Suppe, wobei diese immer dickflüssig ist.
***Dolmus ist ein Sammeltaxi, ein typisches öffentliches Personennahverkehrstransportmittel in der Türkei. Der Dolmus fährt erst dann los, wenn alle bzw. genügend Plätze im Wagen besetzt sind.