Zu Ramadan im Urfa Sofrasi – Hannover

Es gibt in Hannover ein Restaurant „Urfa Sofrasi“, in das ich eigentlich recht gerne ging. Das Essen war recht gut. Ich war schon seit sehr sehr langer Zeit nicht mehr dort. Meine Abneigung gegen den Laden entwickelte ich im letzten Ramadan.

So verabredete ich mich also letztes Jahr im Ramadan mit einer Freundin zum Abendessen. Sie war vorher noch nie Türkisch essen. Das musste sofort geändert werden. Ich reservierte den Tisch eine halbe Stunde bevor man essen konnte. Ich wollte mein Iftar schließlich pünktlich einnehmen. Wir waren pünktlich da, ich nannte den Namen, auf welchen reserviert war und der nette Kellner führte uns zu unserem Tisch. Und da gings schon los. Er fragte, wer Amitaf sei und ob sie noch kommen würde. Ähm, ja, die Amitaf das bin ich. Er sah überrascht aus, sagte aber nichts. Wir saßen gefühlt gerade mal ein paar Sekunden, da kam schon der nächste Kellner und meinte, der Tisch sei reserviert. Ja, das wissen wir, wir haben den Tisch reserviert. Irritiert sah er den Namen auf dem Zettel an, sah uns an und fragte ob noch jemand komme. Nein, da waren nur wir zwei. Er rauschte mit verwirrtem Gesicht davon. Kurz danach kam ein zweiter Kellner, der uns darauf hinwies, dass der Tisch reserviert sei. Ich erklärte, dass ich Amitaf bin und dass das schon richtig so ist. Ungläubig sah er mich an. Nachdem jeder Kellner des Ladens uns darauf hinwies, dass der Tisch reserviert sei, einige wiesen daraufhin das es Fastenzeit war und deswegen alle Tische besetzt sind (frei nach dem Motto „gehen Sie doch bitte und machen Platz für unsere Muslims, damit diese pünktlich und in Ruhe ihr Iftar Essen zu sich nehmen können“), dachte ich das Erklärungsprozedere hätten wir hinter uns könnten jetzt zur Bestellung übergehen. Pustekuchen. Mehr von diesem Beitrag lesen

Freiwillig fasten …

Meine neue Kollegin begrüßte mich mit dem Satz „Aaaaaaaahhh, du arme! Du tust mir so leid, ich bewundere dich wirklich!“ Ich brauchte ein paar Sekunden um zu verstehen worauf sie hinaus will; der erste Tag des Fastenmonats war angebrochen. Ich erklärte ihr, dass es da nichts zum Leidtun gibt, da es mein freier Wille sei zu fasten. Sie schweifte weiter aus, dass es furchtbar wäre und wie man das aushalten kann, in ihren Augen war Fasten etwas wie Folter. Ich betonte noch ein mal, dass es mein freier Wille sei und  das Fasten jedem Muslim selbst überlassen ist. Wenig später fragte sie mich, ob sie mir gratulieren soll, da sie gelesen habe, dass man das so macht, aber sie nicht verstand warum man mir Gratulation aussprechen solle, wenn ich doch hungere.

Jedes Jahr höre ich mir die Mitleidsbekundungen von meiner Umwelt an, seien es Arbeitskollegen oder Freunde. Über die Menschen in meinem Umfeld, welche schon seit Jahren Bestandteil meines Lebens sind, wundere ich mich heute noch. Dieses Prozedere wird immer wieder aufs Neue durchgeführt und immer wieder muss ich erklären, dass es mir wirklich wirklich nichts ausmacht, wenn man in meiner Gegenwart isst und jedes Jahr kassiere ich ungläubige Blicke. Ein Mensch, der schokosüchtig ist und täglich mindestens 3 l Wasser trinkt soll den ganzen Tag ohne diese auskommen daran glaubten sie nicht. Einige vermieden das essen, andere boten mir immer wieder was Süßes an, um sich im Nachhinein zu entschuldigen (was einige Male am Tag vorkam).

Im Fastenmonat Ramadan geht es nicht ums Hungern oder Qualen, sondern um wertschätzen und Selbstfindung. In diesen 30 Tagen entwickelt man innere Kraft und Disziplin. Die Sinne und der Verstand werden geschärft für das wirklich wichtige im Leben. Am Ende eines Tages bin ich immer dankbar für alles, was Gott mir gegeben hat. Jede Dattel, die ich zum Iftar (Abendmahl am Ende eines Fastentages) als erstes esse, schmeckt dann besser als alle Datteln, die ich je gegessen habe.