Auf der Suche

Ich traf sie zufällig am Hauptbahnhof, eine alte Freundin aus der Schule. Wobei Freundin auch schon ein zu starkes Wort war. Man kannte sich schon ein paar Jahre und unterhielt sich nett, wenn man sich traf. So auch an diesem Tag. Ich kam gerade von der CeBit, auf der ich als Dolmetscherin arbeitete. Sie erzählte mir, dass sie gleich verabredet sei, aber schnell noch einen Happen essen wolle und ob ich nicht Lust hätte ihr Gesellschaft zu leisten, dann könnten wir uns noch ein bisschen unterhalten. Da ich müde und auch erschöpft vom langen Tag war fragte ich wie lange sie denn noch Zeit hatte. Ca. 30 Minuten. Das war gut, diese Zeit konnte ich noch für sie aufopfern.

Also gingen wir in einen kleinen Imbiss in der Niki de Saint Phalle Promenade. Sie bestellte sich etwas zu essen, ich bekam nicht mit was es war, da ich sofort auf einen Platz zusteuerte und mich nur hinsetzen wollte. Ihre Bestellung sei gleich fertig, sie musste noch ein bisschen warten. Da ich nicht mehr in der Lage war zu reden, mein Wort-Repertoire war schon fast völlig verbraucht, stellte ich ein zwei Fragen und sie verfiel in einen Monolog. Sie erzählte ein bisschen von Schulkameraden mit denen sie noch Kontakt hatte und was diese jetzt so taten. Eine ihrer besten Freundinnen, mit der ich auch eine Zeit lang recht gut befreundet war, war in Südafrika gewesen. Das wusste ich. Was ich nicht wusste, sie kam wohl sehr verändert wieder zurück. Sie hatte sich stark dem christlichen Glauben gewidmet und war zu einer sehr religiösen Person geworden. Wow, das überraschte mich. Dann erzählte sie weiter, von ihrem Ex-Freund. Mehr von diesem Beitrag lesen

Dem Alltagsrassismus Gehör verschaffen – #SchauHin

Seit Freitag 15.55 Uhr steht er fest, der, von der Journalistin und Bloggerin Kübra Gümüşay ins Leben gerufene, Hashtag #SchauHin. Die Idee zum Hashtag #SchauHin entstand letzte Woche bei der Konferenz: “Rassismus und Sexismus ab-bloggen”, organisiert von der Friedrich Ebert Stiftung in Berlin. Am Freitag wurde mit vielen anderen online diskutiert, wie ein Hashtag über Alltagsrassismus in Deutschland aussehen könnte, jeder konnte mit diskutieren und seine Ideen einbringen. Sieger wurde #SchauHin.

Die Twitter-Gemeinde scheint diesen Hashtag dringend gebraucht zu haben. Denn wo sonst sollten sie den Menschen mitteilen, womit sie im alltäglichen Leben konfrontiert werden? Die Twitter-Nutzer zeigen wie das Leben eines Migranten, eines Menschen mit einer anderen Hautfarbe und/oder einfach nur eines Menschen, der anders ist, in Deutschland aussieht. Sie möchten die Vielfalt der Menschen widerspiegeln und sichtbar machen. Mit wie vielen Vorurteilen wir in Deutschland zu kämpfen haben und was wir uns alles anhören müssen. Die Nutzer teilen ihre Erfahrungen und Erlebnisse allen mit und zeigen auf: Ja, es muss endlich darüber gesprochen werden! Die Rassismus Debatte muss endlich in der Gesellschaft ankommen und bewusst werden.
Das dieses Projekt erfolgreich sein kann zeigt uns die, Anfang des Jahres in den Medien heiß diskutierte, Sexismus-Debatte, an welcher sich die Idee zu #SchauHin orientiert(e).

Dieses Interview der taz mit Philipp Rösler zeigt, das Thema wird totgeschwiegen. Zweiundzwanzig Fragen und keine Antworten. Rassismus erhält keinen Einzug auf die mediale Bühne.

#SchauHin soll die Menschen dazu bewegen sich Fragen zu stellen: Wie rassistisch ist unsere Gesellschaft eigentlich? Wie rassistisch bin ich?

Es geht nicht darum zu zeigen dass Deutschland rassistisch ist, es geht auch nicht darum jemanden Vorwürfe zu machen. Es geht darum in der Gesellschaft ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen und zu schärfen.

Heute Abend um 20:15 Uhr spricht Kübra Gümüşay live mit Tilo Jung und Emran Feroz bei Jung+Naiv-Hangout über #SchauHin.

Hier einige Erzählungen und Erfahrungen zitiert:

 

 

Eure
Amitaf

Freude

Ich kann meine Freude nicht mit jedem teilen. Es gibt gibt vielleicht ein halbes Dutzend Menschen, von denen ich weiß, dass sie sich ehrlich und aufrichtig freuen, wenn ich Erfolg habe oder mich über irgendetwas riesig freue. Dann erzähle ich es diesen Menschen, denn ich weiß sie freuen sich mit mir und dadurch wird meine eigene Freude noch ein Mal gesteigert.  Genau diese Menschen sind es, die mir ebenfalls Freude schenken, wenn ihnen etwas schönes widerfährt und sie mir begeistert davon erzählen. Für sie kann ich mich ehrlichen Herzens freuen, als wäre das gleiche Glück mir widerfahren. Ich sage dann zwar oft, dass ich neidisch bin, aber ich wünsche ihnen, dass sie noch mehr erreichen und das wissen sie auch. Und wenn sie mir im Detail von ihren Erlebnissen und Eindrücken berichten, dann ist es so, als wäre ich dabei gewesen, bei diesem besonderen Moment.

Anderen erzähle ich nichts über meine persönlichen Gefühle oder Erlebnisse, ganz gleich ob gut oder schlecht, da es für mich in meinen Privatsphärebereich fällt und Fremde nichts angeht.

Dann gibt es wieder Menschen, die mir von ihrer Freude erzählen und obwohl es mich wirklich für sie freut, ist es mir doch gleich. Ich finde es super, dass sie ihren Weg gehen und Ziele erreichen und glücklich sind. Ich würde sie auch als meine „Freunde“ bezeichnen, aber wenn ich ehrlich bin verbindet mich mit diesen Menschen so gut wie nichts, außer einer gemeinsamen, meist kurzen, Vergangenheit. Als wir noch Freunde waren und unsere Sorgen und Meinungen geteilt haben, bis einer von uns einen anderen Weg eingeschlagen und sich für andere Menschen (in seiner Gesellschaft) entschieden hat. Ich mag diese Menschen immer noch, was nichts an der Tatsache ändert, dass sie mir gleich sind. Wenn sie Kummer haben, dann tut es mir Leid und ich finde es schade, aber ich fühle nicht mit ihnen. Es ist, wie es ist. Daran kann man nichts ändern. Aber wenn meine Freunde Kummer haben, dann tut es mir in der Seele weh und ich würde ihnen gerne helfen.

Manche empfinden mich vielleicht als kalt. Vielleicht haben sie auch Recht. Ich weiß nur, dass ich sorgfältig auswähle, für wen ich meine Gefühle und Nerven hergebe, so einfach ist das.

Eure
Amitaf

Worte auf meiner Stirn – Nafisa Haji

Letztens suchte ich nach ’nem Geschenk, ein Buch. Ich weiß, klingt langweilig, ist es für die meisten wahrscheinlich auch. Aber ich verschenke wirklich extrem selten Bücher, ich kann an einer Hand abzählen, wie viele ich schon verschenkt habe. Beim rumstöbern auf der Hugendubel-Homepage sah ich mich ein bisschen bei den Schnäppchen um und entdeckte das Buch „Worte auf meiner Stirn“ von Nafisa Haji. Da es einen unschlagbaren Preis hatte wurde es gleich mitbestellt. Lange hielt ich mich von dem Buch fern. Verstaute es in meinem Bücherregal ganz tief hinter allen anderen Büchern, aber jedes Mal, wenn ich mein Zimmer betrat sah ich das Buch an und zwang mich mich wegzudrehen. Ich musste schließlich viele andere Texte viel dringender lesen. Aber ich wurde von dem Buch angezogen wie ein Magnet.

NafisaHaji_Worte_auf_meiner_StirnAm Sonntag schnappte ich mir dann das Buch schließlich und fing an zu lesen. Konnte es, wie schon geahnt, nicht mehr aus der Hand legen. Ein unglaublich spannendes Buch über ein pakistanisch-indisches Mädchen, das in Los Angeles geboren ist und dort aufwuchs. Saira wird mit den Werten ihrer pakistanisch-indischen Eltern großgezogen. Während ihre ältere Schwester sich an alle kulturellen Gepflogenheiten und Rituale hält beginnt Saira als junge Erwachsene ihr Leben in komplett andere Bahnen zu lenken. Während sie am Anfang schockiert ist von den anderen indischen Mädchen, die im Teenageralter kaum was von ihrer Kultur zu wissen scheinen und diese erst Recht nicht ausleben wollen, kehrt sie ihren Prinzipien und Werten, in ihren Studienjahren, den Rücken.

Ein Mädchen, wie jedes Migrantenkind, das hin und her gerissen ist von zwei Kulturen, die es vereinen und mit denen es leben muss. Ein Buch das zeigt, dass nicht alle Menschen über einen Kamm geschert werden dürfen. Ein Buch das zeigt wie es vielen Muslimen zu dem Zeitpunkt 9/11 ging und womit diese Menschen leben mussten und müssen. Das Buch zeigt, welche Folgen 9/11 für die Muslime in Amerika hatte und welche Schicksalsschläge unschuldige Familien ereilten.

Ich kann dieses Buch jedem nur empfehlen. Ich habe es, wie oben erwähnt, bei Hugendubel für nur 1!!! € erhalten. Hier der Link zum Buch: „Worte auf meiner Stirn“ – Nafisa Haji. Der Versand ist kostenlos.

Eure
Amitaf

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Ich habe letztens mit meiner Freundin über das Knüpfen von Kontakten und unseren Freundeskreis geredet, dann kam das Gespräch auf Männer und lief schließlich irgendwie auf unsere Charaktere hinaus. Sie meinte ich würde es leicht haben mit dem Kontakte knüpfen, da ich eh so viele Leute kenne. Was man anmerken muss, ich wohne auch nicht auf dem Dorfe. Einige meiner heutigen Freunde kenne ich schon seit ich in Deutschland bin und ich hoffe dass ich mit ihnen bis zu meinem Lebensende befreundet sein werde.

So, um nicht abzuschweifen. Ich war schockiert, wie ich von ihr wahrgenommen werde. Wäre ich gefragt worden, dann hätte ich mich selbst so nie beschrieben. Versteht mich nicht falsch, für meine Seele waren ihre Worte reinster Balsam, das ging runter wie Öl.

Ich möchte gerne einen Teil unseres Gesprächs mit euch teilen.

Sie: Kp. Sind wir schlechter/ optisch als der Durchschnitt?

Ich: Weiß ned… Aber du bist perfekt so wie du bist.

Sie: Laber doch nicht.

Ich: Keine Ahnung.

Sie: Ich versuche gerade ehrlich zu reden.

Ich: Ich hab ja eh ein schlechtes Selbstbewusstsein.

Sie: Ich meine alle Menschen sind perfekt.

Ich: Das einzig Gute an mir ist mein Hirn.

Sie: So wie sie sind.

Ich: Den Rest… Naja…

Sie: Aber ich rede hier von Anziehungskraft etc. Männer mögen dich. (Also da war ich geschockt.)

Ich: Du hast doch voll die Anziehungskraft du dumme. Ich rede auch ehrlich und seriös.

Sie: Ich weiß aber nicht genau was dich so anziehend macht. Aber meine Vermutungen sind.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Gastfreundlichkeit

Ich denke es gibt viele Menschen, die nicht einmal wissen wie man dieses Wort schreibt und ich frage mich wie diese Menschen erzogen wurden. Was für Werte hat man ihnen mitgegeben oder haben sie sich selbst zu einem Nicht-gastfreundlichen-Menschen entwickelt? Wenn ich bei jemandem zu Besuch bin, dann möchte ich nicht nach einer Stunde selbst um ein Glas Wasser bitten müssen. Ich habe einige „negative“ Erfahrungen mit der deutschen Gastfreundschaft gemacht. (So leid es mir tut dies so ausdrücken zu müssen, aber es waren nun mal immer deutsche Haushalte, die mehr als enttäuscht haben.)

Nun zu dem Anlass, warum ich diesen Artikel schreibe. Letztens war ich auf einen Geburtstag eingeladen. Da ich versprochen hatte zu kommen musste ich auch hin, obwohl ich nicht großartig Lust dazu hatte. Der Tag war anstrengend gewesen und ich hatte kaum eine Minute für mich gehabt. Ich bin also hin. Und wenn man mich auf einen Geburtstag einlädt, dann ERWARTE ich mindestens einen Kuchen, selbst wenn es ein „Billigkuchen“ ist. Aber: Pustekuchen! Da ich keinen Alkohol trinke gab es für mich Wasser Mehr von diesem Beitrag lesen

Dickköpfigkeit

Bei Dickköpfigen Menschen muss ich mich ja jedes Mal wirklich zusammenreißen. Aber spätestens nachdem ich irgendetwas zum x-ten Mal erklärt habe reist mir der Faden. Das Gespräch wird entweder beendet oder ein Streit bricht aus. Ausgerechnet einer meiner Lieblingsmenschen (LM) ist so ein Dickkopf. Ganz schrecklich. Richtig furchtbar. Jedes Mal eine Geduldsprobe für meine Nerven.

Kaum kommen wir auf ein Thema zu sprechen, dass LM persönlich auch betrifft geht’s los. Die Frage nach dem „warum“ etwas ist wie es ist oder „wieso“ wird gar nicht erst diskutiert. Fakt ist Fakt und auch nur das Endergebnis wird beachtet. Grauabstufungen? Fehl am Platz. Es gibt schließlich nur weiß und schwarz. Und da kann man dann auch nichts mehr daran ändern. Ich habe mich schon manches mal zu Tode gesabbelt, um LM andere Sichtweisen aufzuzeigen. Vergebens. Wie ein Pferd mit Scheuklappen sieht mancher nur seine Vorstellung von bestimmten Sachen und alles was nicht so ist, hat so zu sein oder wird eliminiert.

Ich frage mich wie ein Mensch nur so stur sein kann. Ich selbst gehöre auch zu einer sehr dickköpfigen Spezies, habe allerdings (unter anderem durch diesen Lieblingsmenschen) mit der Zeit gelernt, dass es im Leben nicht immer das eine oder das andere gibt. Ich habe in LM manchmal mich gesehen und eingesehen, dass man nicht alles klar abtrennen kann. Manche Sachen sind halt wie sie sind und manche Menschen muss man so nehmen wie sie sind und diese auch so akzeptieren, mit allem drum und dran.

Eure
Amitaf