Zu Ramadan im Urfa Sofrasi – Hannover

Es gibt in Hannover ein Restaurant „Urfa Sofrasi“, in das ich eigentlich recht gerne ging. Das Essen war recht gut. Ich war schon seit sehr sehr langer Zeit nicht mehr dort. Meine Abneigung gegen den Laden entwickelte ich im letzten Ramadan.

So verabredete ich mich also letztes Jahr im Ramadan mit einer Freundin zum Abendessen. Sie war vorher noch nie Türkisch essen. Das musste sofort geändert werden. Ich reservierte den Tisch eine halbe Stunde bevor man essen konnte. Ich wollte mein Iftar schließlich pünktlich einnehmen. Wir waren pünktlich da, ich nannte den Namen, auf welchen reserviert war und der nette Kellner führte uns zu unserem Tisch. Und da gings schon los. Er fragte, wer Amitaf sei und ob sie noch kommen würde. Ähm, ja, die Amitaf das bin ich. Er sah überrascht aus, sagte aber nichts. Wir saßen gefühlt gerade mal ein paar Sekunden, da kam schon der nächste Kellner und meinte, der Tisch sei reserviert. Ja, das wissen wir, wir haben den Tisch reserviert. Irritiert sah er den Namen auf dem Zettel an, sah uns an und fragte ob noch jemand komme. Nein, da waren nur wir zwei. Er rauschte mit verwirrtem Gesicht davon. Kurz danach kam ein zweiter Kellner, der uns darauf hinwies, dass der Tisch reserviert sei. Ich erklärte, dass ich Amitaf bin und dass das schon richtig so ist. Ungläubig sah er mich an. Nachdem jeder Kellner des Ladens uns darauf hinwies, dass der Tisch reserviert sei, einige wiesen daraufhin das es Fastenzeit war und deswegen alle Tische besetzt sind (frei nach dem Motto „gehen Sie doch bitte und machen Platz für unsere Muslims, damit diese pünktlich und in Ruhe ihr Iftar Essen zu sich nehmen können“), dachte ich das Erklärungsprozedere hätten wir hinter uns könnten jetzt zur Bestellung übergehen. Pustekuchen. Mehr von diesem Beitrag lesen

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Muslims on the Web

Eben sah ich dieses Video von Kübra Gümüşay auf Youtube. Es ist ein guter Vortrag, der vielleicht dem einen oder anderen die Augen öffnet und/oder eine andere Sichtweise aufzeigt. Sie berichtet über ihre Erfahrungen als Muslima im Web und mit den Social Medias. Viel Spaß beim Schauen.

Eure
Amitaf

Wenn man in der Oberstufe über den Islam diskutiert.

Zu meiner Oberstufenzeit waren die Themen „Islamismus“ und „Islamisten“ ein ganz großes. Natürlich wurde auch in der Schule darüber diskutiert. Irgendwann kam das Thema im Geschichtsunterricht auf. Meine schon Grundschulfreundin, türkischer Abstammung und Kopftuchträgerin, versuchte vergebens zu erklären, dass nicht alle Muslime Islamisten seien oder gar gleich. Ich hoffte das Thema würde nach ein paar Minuten abgehackt sein und wir könnten zur Tagesordnung übergehen, da ich in dieser Diskussion keinen Sinn mehr sah. Als wenn „die anderen“ je verstehen würden, was sie meinte. Da es in unserer Oberstufe ganze 3 Ausländer gab, mich eingeschlossen, kann man sich vorstellen wie die Lehrer und Schüler tickten (Ausnahmen bestätigen die Regel, diese konnte man allerdings an einer Hand abzählen). Als die Diskussion immer weiter aufgehetzt wurde und sowohl seitens meiner Freundin als auch seitens der anderen Schüler und der Lehrperson kaum noch zugehört wurde, weil jeder auf seiner Meinung bestand und eifrig die Medien nachplapperte, mischte ich mich ein. Da ich ein sehr rationaler Mensch bin versuchte ich beide Sichtweisen zu erläutern und zu erklären, warum die Lehrperson in ihrer Meinung nicht recht hatte. Irgendwann brach ein Streit aus. Ich war wütend auf den Lehrer, dass er seine Meinung so vehement und engstirnig vertrat, wie ein Pferd mit Scheuklappen, das nur geradeaus gucken kann. Das schlimmste, die Schüler nahmen sein Wort als bare Münze.

Meine Konsequenz aus diesem Unterricht, es bringt absolut nichts sich gegen Lehrer zu erheben, sie rächen sich. Von diesem Tage an hatte ich nie wieder mehr als 7 Punkte in Geschichte, vor allem nicht mündlich, während ich vorher immer meine 13 Punkte hatte. So schnell können Lehrer einem das Leben schwer machen. Toleranz und Akzeptanz? Fehlanzeige.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man über Religion NIEMALS diskutieren sollte, vor allem nicht in der Schule. Es bringt nur Nachteile.

Eure
Amitaf

Günther Jauch Talkshow zum Thema Salafismus

Ich weiß nicht ob ihr am 17. März die Jauch Talkshow gesehen habt. Fakt ist, Jauch enttäuscht. Gerade von ihm hätte man sich mehr erhofft. Ich finde es schade, dass selbst ein Moderator wie Günther Jauch seine Gäste nicht in den Griff bekommt und seine Show so entgleisen lässt. Am Ende wurde viel über den Islam diskutiert, wie schlecht er sei und der Imam der Show wurde prompt zum Sündenbock erklärt. Natürlich gab es auch einen Gast, der versuchte einzulenken, leider erfolglos. In der Sendung ging es nämlich um den Salafismus und nicht um persönliche Schuldzuweisungen oder um den Islam an sich.

Der folgende TAZ-Artikel zu dieser Talkshow ist SEHR LESENSWERT: Jauch-Talkshow zum Thema Salafismus. Gefährliche Ahnungslosigkeit.

Und hier die Talkshow in der Mediathek des NDR.

Eure
Amitaf

Hoşgeldin Ramazan – Willkommen Ramadan

Bald ist der Monat Ramadan vorbei und ich frage mich wo die Zeit hin ist. Immer wieder möchte ich etwas über diesen schönen Monat schreiben, doch andere Dinge und Gedanken drängen sich mir dazwischen. Heute sah ich mir alte Reisefotos an und stieß auf eines aus Kars.

Im Jahre 2009 verbrachte ich den Fastenmonat in der Türkei. Ich erlebte zum ersten Mal den Ramadan in einem muslimisch geprägten Land. Mehr von diesem Beitrag lesen

Ein Tag, der die Welt veränderte.

Ein Verbrechen, das die Welt heute immer noch bewegt, ein Massenmord „im Namen des Islam“. Zehn Jahre nach 9/11 ist das Thema Terror immer noch aktuell. In den Zeitungen, im Fernsehen, im Radio und überall auf den Straßen liest, hört und sieht man nur noch ein Wort „Terror“ und daneben die von den Medien erfundenen Begriffe wie „Islamist“ und „Dschihadist“.

Für viele Muslime veränderte dieser Tag ihr Leben. Islam war für die westliche Welt zu einem Synonym für Terrorismus geworden. Bis heute werden die Medien nicht müde den Begriff Islam stellvertretend für die Islamistischen Fundamentalisten zu gebrauchen und ein Großteil der westlichen Bevölkerung glaubt alles, was er in den Medien sieht und hört.

Mich verblüfft immer wieder die Unwissenheit der Menschen. Wie können Sie jahrelang Tür an Tür mit einer Religion leben ohne sich jemals wirklich für diese interessiert zu haben? Wie können aus den Nachbarn plötzlich Terroristen geworden sein, wo man sich doch gestern noch so nett mit ihnen unterhalten hat? Wie können sich Menschen für so dumm verkaufen lassen und blind alles glauben was ihnen die Medien vermitteln?

Erst letztens hatte ich wieder eine Begegnung mit der Unwissenheit. Ich traf nach langer Zeit eine Bekannte zufällig wieder und sie fragte mich ob mein Name Soundso sei, ob sie sich den richtig gemerkt hätte. Ich bejahte und sah ihr an, dass sie noch etwas sagen wollte, aber nicht richtig wusste wie. Irgendwann fragte sie schließlich ob ich Moslem sei, als ich wieder bejahte guckte sie mich mit großen Augen an und meinte verblüfft „ECHT?????!!!“. Danach kam die Frage ob ich Türkin sei, als ich verneinte meinte sie „ja, du siehst ja auch gar nicht so aus, woher kommst du, weil dein Name ist ja schon so…“. Ich erklärte, ich sei aus Bosnien und vor kurzem wieder dort gewesen, prompt schlug mir eine Ladung Unwissenheit gepaart mit Vorurteilen entgegen: „WAS?! Aber da werden sie doch alle unterdrückt!!!“ Ich sah in ihren Augen, dass sie mich für verrückt hielt, wie konnte ich nur in ein Land reisen, wo es den Islam gab, wo Menschen gequält wurden! Mir blieb nichts anderes übrig als zu grinsen (das Lachen verkniff ich mir mit Mühe). In den nächsten 20 min erklärte ich ihr unter anderem, dass die Frauen und die bosnische Bevölkerung im und durch den Islam NICHT unterdrückt werden. Verwundert und neugierig hörte sie zu und konnte kaum glauben, was sie da hörte…

Freiwillig fasten …

Meine neue Kollegin begrüßte mich mit dem Satz „Aaaaaaaahhh, du arme! Du tust mir so leid, ich bewundere dich wirklich!“ Ich brauchte ein paar Sekunden um zu verstehen worauf sie hinaus will; der erste Tag des Fastenmonats war angebrochen. Ich erklärte ihr, dass es da nichts zum Leidtun gibt, da es mein freier Wille sei zu fasten. Sie schweifte weiter aus, dass es furchtbar wäre und wie man das aushalten kann, in ihren Augen war Fasten etwas wie Folter. Ich betonte noch ein mal, dass es mein freier Wille sei und  das Fasten jedem Muslim selbst überlassen ist. Wenig später fragte sie mich, ob sie mir gratulieren soll, da sie gelesen habe, dass man das so macht, aber sie nicht verstand warum man mir Gratulation aussprechen solle, wenn ich doch hungere.

Jedes Jahr höre ich mir die Mitleidsbekundungen von meiner Umwelt an, seien es Arbeitskollegen oder Freunde. Über die Menschen in meinem Umfeld, welche schon seit Jahren Bestandteil meines Lebens sind, wundere ich mich heute noch. Dieses Prozedere wird immer wieder aufs Neue durchgeführt und immer wieder muss ich erklären, dass es mir wirklich wirklich nichts ausmacht, wenn man in meiner Gegenwart isst und jedes Jahr kassiere ich ungläubige Blicke. Ein Mensch, der schokosüchtig ist und täglich mindestens 3 l Wasser trinkt soll den ganzen Tag ohne diese auskommen daran glaubten sie nicht. Einige vermieden das essen, andere boten mir immer wieder was Süßes an, um sich im Nachhinein zu entschuldigen (was einige Male am Tag vorkam).

Im Fastenmonat Ramadan geht es nicht ums Hungern oder Qualen, sondern um wertschätzen und Selbstfindung. In diesen 30 Tagen entwickelt man innere Kraft und Disziplin. Die Sinne und der Verstand werden geschärft für das wirklich wichtige im Leben. Am Ende eines Tages bin ich immer dankbar für alles, was Gott mir gegeben hat. Jede Dattel, die ich zum Iftar (Abendmahl am Ende eines Fastentages) als erstes esse, schmeckt dann besser als alle Datteln, die ich je gegessen habe.