Bosnien und Herzegowinas Besetzung durch Österreich-Ungarn II

Die Österreichisch-Ungarische Herrschaft stieß bei allen Volksgruppen auf Widerstand, doch am ausgeprägtesten war dieser in der serbischen Bevölkerung. Diese erhielt von dem orthodoxen und slawischen Russland Unterstützung. Schon damals nahm Bosnien und Herzegowina einen zentralen Stellenwert für die „Serbische Idee“ ein. In der Vorstellung des Panserbismus wurde Bosnien und Herzegowina als ur-serbisches Gebiet begriffen.

Gegen Propagandawörter wie „rein serbischer“ (Charakter Bosniens) wurden seitens der Österreichisch-Ungarischen Verwaltung Schlagworte wie „Bosniertum“ und „kroatische Sprache“ ins Feld geführt. Viele Serben befürchteten eine Kroatisierung und Katholisierung Bosniens.

Schulreformen sollten den Alphabetisierungsgrad erhöhen, doch die Bevölkerung wollte keine lateinische Schrift erlernen, da sie eine Veränderung der Kyrillischen und Arabischen Sprache befürchteten. Dadurch wäre die Verbindung zu jeweiligen Mutterland (Serbien und Osmanisches Reich) gefährdet gewesen und die Schrift spielte für die Vermittlung der Religion eine wichtige Rolle.

Schließlich griff der Staat Österreich-Ungarn mit seinen Reformen weit mehr in die patriarchalische und traditionalistische Lebenswelt vor Ort ein, als es im Osmanischen Reich der Fall war.

Bosnien und Herzegowinas Besetzung durch Österreich-Ungarn

Bosnien und Herzegowina wurde bis zum 24. Juli 1878 von den Osmanen besetzt. Die Besatzung dauerte 400 Jahre, danach verlor es das Gebiet an Österreich-Ungarn. Zu dieser Zeit wurde die bosnische Situation auch gerne „Pulverfass Balkan“ genannt.

Durch bestimmte Reformen versuchte das christliche Kaisertum die Länder in ihr System einzugliedern. Die neue Religionspolitik für den Islam erwies sich als besonders schwierig. In der Konvention von Novi Pazar sicherte man dem Volke die Religionsfreiheit zu. Das Problem war, dass die Trennung von Religion und Politik dem Islam fremd war. Um die muslimische Bevölkerung von ihrem politisch-religiösen Zentrum Istanbul zu trennen ernannte man im Jahre 1882 den Mutfi von Sarajevo und Bosnien zum Reis-ul-Ulema (geistliches Oberhaupt der Moslems in Bosnien und Herzegowina). Der oberste islamische Gelehrte im osmanischen Reich Scheich-ul-Islam wurde lediglich über die Ernennung in Kenntnis  gesetzt.

1899-1909 war die Bestellung des Reis-ul-Ulemas durch den Scheich-ul-Islam und die Gleichberechtigung  der arabischen Schrift eine Kernforderung der bosnisch-muslimischen Autonomiebewegung.

Sandžak (Sancak)

Quelle: Wegweiser zur Geschichte. Bosnien und Herzegowina. 2. Auflage. Paderborn (2007), Ferdinand Schöningh Verlag.

Quelle: Wegweiser zur Geschichte. Bosnien-Herzegowina. 2. Auflage. Paderborn (2007), Ferdinand Schöningh Verlag.

Dieses kleine Stück Land ist vielen Menschen nicht bekannt, alleine der Name ist ihnen nicht geläufig. Deshalb dachte ich, ich verfasse einen kleinen Artikel darüber. Das Wort „Land“ setze ich bewusst in Anführungszeichen, da Sandžak offiziell kein selbständiger Staat ist. Es gibt sogar Menschen, die behaupten es existiere überhaupt nicht und hat auch nie existiert, was völliger Schwachsinn ist, da die Geschichte die Existenz belegt.

Das Wort Sandžak (türkisch: sancak) bedeutet Verwaltungseinheit. Als der Balkan noch von den Osmanen besetzt war umfasste das Gebiet des Sandžak auch Gebiete, die über die Grenzen von Bosnien und Herzegowina gingen, dazu gehörten noch Ostbosnien mit Teilen Serbiens, Westbosnien mit Teilen Dalmatiens und das Gebiet von Bihać. Zusammen mit eroberten slawonischen, kroatischen und dalmatinischen Territorien bildete das Sandžak-Gebiet die bosnische Provinz (eyalet-i Bosna). Nach vielen Veränderungen (geschichtliche Geschehnisse) wurde der Begriff nur für ein bestimmtes Fleckchen Erde benutzt; Das heutige Sandžak-Gebiet. Dieses  zieht sich heute über den südwestlichen Teil Serbiens, den nordöstlichen Teil Montenegros und einen kleinen Teil Kosovos.

Ein sehr interessanter Artikel über den Film „Paradajz“. Ein sehr guter Blog, den ich allen empfehlen kann, die sich für den Balkan, das Leben dort und das Leben in der Diaspora interessieren.
Absolut lesenswert!

Balkanblogger

Saudin Becirevic ist 18 Jahre alt, als der Krieg in Bosnien und Herzegowina ausbricht. Von einem Tag auf den anderen existiert der normale Alltag nicht mehr: er kann nicht in die Schule gehen, seine Freunde verlassen die Stadt. Er bleibt alleine zurück und zieht in den Krieg – einen skrupellosen Krieg.

Um alles zu verarbeiten, beginnt er, Tagebücher zu schreiben. Er schreibt über Gefühle und über die Farce, die ein Krieg mit sich bringt: man versucht nur zu überleben, das Leben selbst ist nichts mehr wert. Was zählt, sind Freunde, die er in der schweren Zeit kennen lernt, und mit denen er alles erlebt und teilt. Und er schreibt über den Mann, der ihm zum Geburtstag die einzige reife Tomate schenkt. Die Tomate bedeutet Saudin alles. Ein Objekt, das in unserem Leben von kleiner oder gar keiner Bedeutung ist, ein Symbol, das die zukünftige Denkweise und somit auch die Lebenseinstellung…

Ursprünglichen Post anzeigen 358 weitere Wörter

Ich erinnere mich …

Ich erinnere mich an einen Mann, der immer wieder für längere Zeit nicht da war, weil er einige Monate im Ausland verbrachte, um anschließend mit vielen Geschenken vor mir zu stehen und mir eine Freude zu machen. Wenn er weg war spielte ich mit seinem Sohn, wir tobten durch die Gärten oder kletterten Balkons hinauf, wenn uns langweilig war.

Im Winter bauten wir Schneemänner oder verwandelten unfertige Häuserwände zu Rampen, die man auf einem Sack gefüllt mit Heu runtergerutscht ist. Sobald der Frühling kam jagten wir den kleinen Ziegengeißlein hinterher Mehr von diesem Beitrag lesen

Flach oder hoch?

Auf meine Frage ob Flachsohle oder Stöckelschuhe fing ich mir einen Blick der Art „ist das dein ernst?!“ ein. Natürlich trägt man STÖCKELSCHUHE. Ich dachte nur: dumme Frage, merks selbst. Bekam zu dem Blick aber die Antwort ich könne auch flach anziehen, aber sie trägt hochhackig. War klar.

Willkommen in Österreich!*

Hier denkt ein Mädchen wohl nicht einmal daran flache Schuhe zum fortgehen anzuziehen, das wäre wohl die größte Sünde, die man begehen könne. Schön, dann werde ich mich wohl mal anpassen und hohe Absätze anziehen und Gott für die schnelle Verheilung meiner Blasen danken.

Nicht das man mich falsch versteht, ich LIEBE Stöckelschuhe, nur kaufe ich sie lieber als das ich sie tragen würde. Und da meine nicht oft zum Einsatz kommen ergab ich mich meinem Schicksal.

Den Veranstaltungsort betretend wusste ich nicht ob ich dauergrinsen oder nur mit dem Kopf schütteln sollte. Einige sahen so aus, als hätten sie nach Monaten Auslauf erhalten und müssten alles auflegen was sie hatten. Je kürzer das Kleid und höher die Absätze, desto angesagter war man. *hust* Selbst (geschätzt) bei einer Größe von 1,60 m und schlanken 80kg durften die 13 cm Highheels und das knappe Outfit, bei dem bloß nicht ein Speckröllchen ungesehen bleiben durfte, nicht fehlen.

Eure

Amitaf

 

*In Bezug auf die Lebensweise der in Österreich lebenden Menschen vom Balkan.

Und wann heiratest du?

Wie schön ist es doch, wenn man von Bekannten als Begrüßungssatz „Und wann heiratest du?“ hört.

In der bosnischen Kultur hört man so eine Frage meist gleich am Anfang eines Gesprächs. Mich persönlich stört die Frage an sich nicht, sondern einfach die Tatsache, dass dieses Thema eine Privatsache ist und ich nicht mit jedem x-beliebigen Menschen darüber reden möchte. Mich interessiert schließlich auch nicht welcher Hans und Frans FreundIn hat, verheiratet ist oder sonstiges.

Natürlich wird man zwar noch gefragt wie es einem geht, wobei dies nur eine Höflichkeitsfloskel ist, die man schnell runterrattert, denn das wirkliche Interesse gilt dem Beziehungsstatus. Sollte man die Frage verneinen, dann folgt die Frage nach einem Freund, sollte man diese wiederrum verneinen, kann man in den Gesichtern der Menschen regelrecht ablesen was für Gedankengänge durch ihren Kopf strömen. Natürlich ist das Thema damit nicht beendet, dies wäre schließlich unhöflich. Man bringt ein Mädchen nicht in eine solche „peinliche“ bzw. „unangenehme“ Situation und lässt sie dann im Regen stehen. Es ist eher so, dass die Fragesteller selbst „Entschuldigungen“ für einen finden und begründen, warum ihr Gegenüber keinen Partner im Leben hat oder noch nicht in den „glücklichen Hafen der Ehe“ eingelaufen ist. Berufliche Gründe, sowie Schule und Studium haben schließlich Vorrang  undsoweiterundsofort.

Frau hat allerdings schon fast Pech, wenn sie die 25 überschritten hat, denn ab dieser Altersstufe ist man quasi nicht mehr vermittelbar. Was will ein Mann schließlich mit einer so alten „Schabracke“, da nimmt man doch lieber die ab 18, das ist „Frischfleisch“, die kann man noch formen und biegen wie man es gerne hätte. Jawohl!

„[…] Bosnische Sprache exisitiert nicht!“

Am späten Nachmittag kommen wir in Mostar an. Keiner von uns war je hier gewesen. Vor unseren Augen breitet sich ein ganz anderes Bild aus, als im Norden Bosniens. Der Norden ist grün und voller Berge, der Süden hingegen bietet fast eine Wüstenlandschaft.

Die Stadt ist wunderschön, eine der schönsten, welche ich bis jetzt gesehen habe. Der türkische Einfluss ist nicht zu verkennen. Alles hier erinnert mich an die Türkei. Die kleinen Gassen, die Waren und Touristensouvenirs und der Stein, aus welchem die Häuser erbaut sind. In einer mir fremden Stadt habe ich das Gefühl als wäre ich nach Hause gekommen.

Nachdem wir uns mit einem Essen gestärkt hatten, ging es auf die Suche nach einem Buch: „Gramatika bosanskog jezika.“ (Die Grammatik bosnischer Sprache) Gleich im ersten Buchladen wurde ich darauf hingewiesen, dass es das Buch in anderen Läden gibt, da diese allerdings nur bis 16 Uhr geöffnet hatten musste ich, ohne mein Buch kaufen zu können, wieder abfahren.

Ein paar Tage später fuhr ich mit meiner Mutter nach Banja Luka. Sie wies mich vorher darauf hin, dass ich das Buch nicht in Banja Luka finden würde, ich aber blieb stur und war überzeugt, dass es die Bosnische Grammatik in so einer großen Stadt geben müsse. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, wie verhasst das bosnische Volk in dieser Stadt zu sein scheint.

In der Fußgängerzone des Zentrums blieb ich an einem Bücherstand stehen um nachzufragen ob der Herr mein Buch habe. Er sah mich verdutzt an und fragte nach ob ich nicht die Serbische Grammatik haben möchte, ich verneinte und er gab höflich zur Antwort, dass er mein Buch nicht hat. Ich fragte nach einem Buchlanden, wo ich es evtl. finden könne, er gab mir eine Wegweisung, ich bedankte mich und drehte mich zum gehen um. Hinter unserem Rücken hörten wir eine Frau, welche neben dem Verkäufer gesessen hatte, uns beleidigen und fluchen, der letzte Satz den ich mitbekam war in verächtlichem Ton „ die Bosnische Sprache existiert nicht!“. Wir gingen ohne uns umzudrehen weiter. In den darauffolgenden Buchläden konnte man uns ebenfalls nicht weiterhelfen, das Buch der Bosnischen Grammatik gab es nirgendwo.

Schließlich versuchten wir es auf einer Bücherausstellung in Banja Luka. Ein riesiger Raum, mit diversen Ständen und übersetzten Buchtiteln aus aller Welt. Ein paar Stände über Lehrbücher gab es auch, diese hatten mein Buch natürlich auch nicht. Selbst hier fand ich an keinem Stand ein Buch der Grammatik der bosnischen Sprache, Kroatische Grammatik hingegen war zu finden.

Ein mal fuhr mich ein Mann barsch an. Nachdem ich ihn um ein Buch der Grammatik der Bosnischen Sprache gefragt hatte, drückte er mir eines auf kyrillisch in die Hand. Ich wies darauf hin, dass ich das nicht lesen könne und er sagte verärgert, dass ich die Serbische Grammatik in keiner anderen Schrift finden werde (was dem nicht so war, diese gab es bei anderen Anbietern auch in lateinischer Schrift). Ich wiederholte, dass ich die bosnische Grammatik suche und nicht die Serbische, woraufhin der Mann mich anfuhr, dass es so etwas nicht gibt und mir den Rücken zuwendete. So ging es mir den ganzen Tag, meine arme Mutter lief stundenlang mit mir durch Banja Luka und fuhr mich sogar zur Bücherausstellung, nur um sich eine Abfuhr und Beleidigung nach der anderen mitanzusehen. Irgendwann gab ich auf und wir fuhren nachdenklich wieder nach Hause. In meiner Heimat Bosnien und Herzegowina gab es kein Buch der Grammatik der Bosnischen Sprache, kein Buch über die eigene Landessprache, nicht in der zweitgrößten Stadt Bosniens, nicht in der Serbischen Republik…

Enttäuscht und wütend sah ich am Abend die Nachrichten. Was ich da hörte bestätigte ein Mal mehr alles, was ich am Tag erlebt hatte. In den Nachriten erwähnte man am Anfang kurz die Serbische Republik* und danach folgten nur noch Aussagen über Serbien. Ein bisschen verdutzt hörte ich zu, die ganze Zeit sprach man von Serbien nannte allerdings bosnische Städte. Traurig stellte ich fest, dass ich und meine muslimischen Brüder und Schwestern in unserem eigenen Land ausgegrenzt und als etwas fremdes und störendes empfunden wurden. Bosnien war nicht mehr Bosnien, uns weggenommen und zerstört war es die Serbische Republik…

*Bosnien wurde nach dem Balkankrieg in Serbische Republik und die Föderation geteilt.