Kultur bitte an der Rezeption abgeben

… und wenn möglich das Kopftuch gleich mit! Vielen Dank.

Ich dachte ich fall aus allen Wolken, als ich letztens die Berichte über den Benimm-Knigge für Araber las. Und wer hat‘s erfunden? Der Österreicher.

Das Österreichische Fleckchen Erde „Zell am See“ genannt ist der beliebteste Urlaubsort für (reiche) Araber, die den heißesten Monaten in ihrem Heimatland entfliehen wollen. Doch auch im Winter ist der Ort von ihnen gut besucht. Insgesamt sind diese mit 470.000 Übernachtungen die zweitstärkste Besuchergruppe, nach den Deutschen.

Die Österreicher finden das aber mittlerweile anscheinend gar nicht mehr schön. Die Ästhetik ihrer Umwelt scheint unter den vielen Burkas und dunkel angezogenen Frauen zu leiden. Also entwerfen der Tourismusverband, die Polizei und die österreichisch-arabische Handelskammer die aufklärende Broschüre „Where cultures meet“. Die Touristen werden darüber aufgeklärt, dass die Österreichischen Frauen FREI wählen dürften, was sie anziehen wollen und dies ist meist bunte Kleidung. Außerdem weist man auf die Farbe Schwarz hin. Dies sei eine Farbe der Trauer und Frau möge sie doch bitte ablegen, wenn sie das kleine Örtchen betritt. Ein Café-Besitzer äußerte sich so zu der Kleiderwahl arabischer Frauen: „Vor lauter verhüllten Frauen sieht man den See nicht mehr.“ Mit anderen Worten: Schicken Sie ihre Religion gefälligst mit in die Ferien, wenn Sie schon hier verweilen wollen!

Was hinzukommt, auf den Hotelzimmerböden darf nicht gegessen werden, schließlich ist man hier in einem westlichen Land und hat Manieren. Und der Müll darf nicht wahllos irgendwo hin geworfen werden, sondern muss in die dafür vorgesehenen Müllbehälter. (Was für ein netter Hinweis. Ich frage mich, warum die arabischen Städte, die ich bisher gesehen habe, so sauber waren?)

Ich finde es unglaublich, dass es so eine Broschüre wirklich gibt. So als litten die Araber unter mangelnder Anpassungsfähigkeit. Ich frage mich, was es für ein Mediengeschrei auslösen würde, wenn die arabischen Länder so eine Broschüre für die westlichen Touristen in ihren Ländern herausbringen würden. Wenn arabische Touristenorte der westlichen Frau vorgeben wollen würden im Urlaub doch bitte nicht in Shorts, Minirock und Bikini durch die Gegend zu laufen. Immerhin zerstöre dies das schöne Bild der Natur und man sehe vor lauter bauchfrei und Minirock die Wüste nicht mehr.

Mail Online berichtet detailliert über die Geschehnisse in Österreich in folgendem Artikel: “‚Tourism apartheid‘: Salzburg under fire for leaflet to Arab visitors telling them to stop haggling over prices, eating on hotel floors and wearing burkas

Eure
Amitaf

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Über amitaf86
Studentin.

5 Responses to Kultur bitte an der Rezeption abgeben

  1. So wie ich es mitkriege, sind in den arabischen Ländern auch ohne solche Broschüren Regeln für (besonders) ausländische Frauen aufgestellt. Wenn ich dort im Urlaub war, musste ich meine Schultern ( auch bei großer HItze) stets bedecken und natürlich die langen Hosen nicht vergessen. Aus Respekt, hieß es. Ich habe mich daran gehalten und mich nicht freizügig (obwohl ich Shorts und T-Shirt nicht notwendigerweise für freizüg erachte) gekleidet. Ich bin nicht muslimisch, trotzdem passe ich mich in meinem Urlaub den muslimischen Regeln an. Warum darf ein westliches Land nicht eigene Regeln aufstellen?
    Ich verstehe diese Doppelmoral einfach nicht.
    Nur weil du vielleicht demokratisch denkst und meinst in den arabischen Ländern seien keine Regeln aufgestellt, entspricht dies nicht automatisch der allgemeinen Meinung der Araber.
    Leider geht es dort nicht so tolerant zu, wie du es dir vielleicht wünschen würdest.

    • amitaf86 says:

      Das es nicht der allgemeinen Meinung entspricht weißt ist. Aber ich denke das findet man überall.

      Also ich war ja auch schon zwei Mal in den VAE und habe wirklich sehr sehr viel Toleranz erlebt. Die Frauen liefen da teilweise halbnackt durch die Gegend und keiner hat was gesagt. Nur in den Malls habe ich winzige Schilder gesehen, auf denen etwas stand wie „danke, dass sie sich angemessen kleiden“ woran sich dort aber niemand gehalten hat und auch niemand darauf angesprochen wurde. Auf der Straße sah ich Frauen in Miniröcken und komplett durchsichtigen Oberteilen, die man auch hätte weglassen können, da sie ohnehin durchsichtig waren.

      Was ich an dieser Broschüre schlimm finde ist, dass Leuten indirekt gesagt wird, dass sie ungezogen sind. Man schreib ihnen vor wie sie zu essen haben. Außerdem wirft man Frauen vor ihre Kleidung nicht frei wählen zu dürfen. Zudem wird gewünscht das Kopftuch abzulegen. Was eine absolute Unverschämtheit ist. Wie kann man von gläubigen Verlangen einen existenziellen Teil ihrer Religion abzulegen? In den arabischen Ländern wird auch niemand gezwungen die Burka anzulegen und ein Kopftuch zu tragen.

      • An dieser Stelle stimme ich dir natürlich zu. Einer Frau ihr Kopftuch zu verbieten ist respektlos und keineswegs notwendig. Ich kann jedoch verstehen, warum man keine Burkas sehen möchte. Es ist schon der Grund des bedeckten Gesichtes. Es hat etwas bedrohliches nicht zu wissen wer sich hinter diesem schwarzen Gewand befindet, daher finde ich die Regel, Frauen sollen auf die Burka verzichten bzw. zumindest ihr Gesicht zeigen, vollkommen verständlich. Selbst bei Demonstrationen dürfen Menschen ihr Gesicht nicht vermummen. Ich denke, es ist nicht zu viel verlangt für die kurze Zeit ein langes Gewand plus Kopftuch anzuziehen um das Gesicht nicht zu verdecken.
        Weiter sollte es meiner Meinung nach jedoch nicht gehen, da der restliche Körper nicht zur Identifikation einer Person dient.

        Was unsere Begegnungen in den arabischen Ländern angeht, scheinen wir wirklich unterschiedliche Erfahrungen gemacht zu haben, wobei ich hinzufügen muss, dass ich in kleinen Orten unterwegs war und nicht in den Städten. Dort wurde ich schon öfter gebeten auch mein Haar leicht zu bedecken, was ich natürlich tat, mich jedoch nicht wohl fühlte.
        Ich finde, jeder sollte seine religiösen Grenzen ausleben, sich aber auch an die Regeln des jeweiligen Landes halten, wobei das Land auch eine Sensibilität für die jeweiligen religiösen Regeln besitzen sollte.

  2. Daniel Ossenkop , B.A. says:

    Sehr treffender Artikel! Leider nur ein Beispiel unter vielen. Wenn es um andere Kulturkreise geht, scheinen viele Menschen eine Menge Angst zu bekommen. Sehr schade, wo ein nicht so sehr von Vorurteilen geprägter Austausch so viele Chancen bietet.

  3. ninjaan says:

    Ich habe die Reportage auch gesehen, war aber fast zu müde, um mich groß darüber aufzuregen. Ich hoffe einfach, dass denen die ganzen Touris aus den Golfstaaten wegbleiben! Sowas geht gar nicht!
    Ausser im Iran musste ich in keinem Land irgendwelche Kleidungsvorschriften beachten, das gilt wahrscheinlich auch für Saudi Arabien – sonst wüsste ich gerne, wo diese Länder sein sollen, in denen man nicht entscheiden kann wie man als Touri rumläuft.
    Eigentlich ging es in diesem Bericht auch eher weniger um Kleidung, als um so freche Annahmen wie: Araber essen alle aufm Boden und machen nie sauber und so…
    Aber das is natürlich nebensächlich…weil irgendwer könnt ja ne Burka angehabt haben -.-

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