Tolerant, aber doch urteilend.

Vor kurzem schrieb Gregor unter einen in bosnischer Sprache verfassten Kommentar, dass er jetzt nur noch muslimisch lernen müsse. Mit einem Zwinkersmiley dahinter. Da ich nicht wusste wie der Kommentar gemeint war, fragte ich nach, warum eine Fremdsprache, von Muslimen gesprochen, gleich mit muslimisch gleichgesetzt wird. Gregor entschuldigte sich, gestand „von solchen Dingen“ nicht viel zu wissen und erklärte, dass er den Satz sarkastisch gemeint hatte. (Den genauen Verlauf könnt ihr hier in den Kommentaren nachlesen.)

Gregor erklärter mir, dass er nichts gegen Ausländer habe, warum auch? Was mich aber etwas stutzig machte war die Aussage: „Obwohl ich immer nicht gut finde, was zb. in der Türkei los ist und die Frauen regelrecht vergewaltigt werden, weil sie ja eh nur Putzen, Kinder kriegen und kurz zum bespringen sein sollten. Andere Rechte haben die ja nicht.“

Ich frage mich, woher nimmst du dieses Wissen Gregor? Woher hast du dieses Bild? Warst du jemals in der Türkei und bist du mit Türken, bzw. türkischstämmigen Menschen befreundet?

Diese Fragen hätte ich wirklich gerne beantwortet. Woher kommt so eine Denkweise? So ein Bild über die Türken? Zumal Gregor nicht der einzige ist, der so denkt.

Eure
Amitaf

P.S. Gregor, ich habe eine Bitte an dich, wenn du dir die Zeit nehmen würdest/könntest, um auf die Fragen ausführlich zu antworten und mir den Text per Mail zu schicken, dann würde ich den Text sehr gerne hier veröffentlichen. Da ich denke, dass die Kommentarfunktion zu eng dafür werden könnte und ich mich über eine ausführliche Antwort freuen würde.

Natürlich freue ich mich auch über jeden anderen Beitrag/Kommentar zu diesem Thema und eure Meinung dazu.

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Über amitaf86
Studentin.

12 Responses to Tolerant, aber doch urteilend.

  1. Gregor says:

    Da gibt es nicht viel dazu zu sagen.
    Das alles habe ich nur von den Medien.
    Natürlich ist der Gedanke schon veraltet und vielleicht hat sich ja schon vieles dort wie hier verändert, aber wenn Frauen immer noch ihr Haar verdecken müssen, dann glaube ich kaum, dass es sich was geändert hat.
    Mehr gibts da echt nicht viel zu sagen.

    Und das mit dem Vergewaltigen: ich meine, wenn ein Mädchen den Mann nicht heiraten möchte, aber ihr Vater zugestimmt hat und sie keine andere Wahl hat.

    Du kannst mich gerne belehren, wenn es anders ist.

    Liebe Grüße, Gregor

    • amitaf86 says:

      Hey Gregor, ich hoffe du bist mir nicht böse, dass ich dich hier so öffentlich angeprangert habe. Ich hoffe du weißt, dass ich es nicht böse meine.

      Nun zu deinem Kommentar: Medien sind ja so ne Sache. Wann haben Medien ein positivies Bild von einem islamisch geprägten Land gezeigt/ausgestrahlt? Vor allem nach 9/11 war das Schicksal der Muslime auf dieser Welt besiegelt.

      Das es Familien gibt in denen Frauen ihr Haar verdecken müssen kann ich nicht abstreiten, aber das ist mittlerweile nicht der Regelfall. Viele dieser Frauen sagen sogar, dass sie dankbar sind, dass sie in schon recht jungem Alter das Kopftuch anlegen mussten. Ich selbst kenne stark konservative Familien in denen sich die Töchter aber aussuchen können, ob sie das Kopftuch anlegen möchten oder nicht. Da der Islam keine Religion ist, die man mit Zwang ausüben soll.

      Das mit den Mädchen ist denke ich ein stark kulturell geprägter Brauch. Von solchen Geschehnissen erfahre selbst ich nur in den Medien. Ich kannte ein Mädchen, das schon als Baby versprochen wurde. Allerdings hat sie im erwachsenen Alter geäußert, dass sie den mittlerweile auch erwachsenen Jungen nicht heiraten möchte und so war es dann auch. Sie musste die Ehe nicht eingehen.

      Es gibt immer solche und solche. Schade ist, dass bei uns die negativen Seiten einer Kultur so hervorgehoben werden, dass Einzelfälle zum Klischeebild werden.

      LG zurück 🙂

      • Gregor says:

        Hi!
        Wenn Du nicht anfängst mich zu beleidigen, dann ist das schon okay.
        Ich schreibe nur was ich weiß.
        Klar, zum Glück geht es mit der Tradition vorwärts und es ändert sich was und das ist auch gut.
        Wieso sind sie dafür dankbar ein Kopftuch tragen zu müssen???
        Naja, jede Religion beinhaltet Zwang, sonst würden sich nicht viele vor dem Teufel fürchten.
        Das war nur ein kleines Beispiel.
        Wenn man die positiven Seiten kennen lernen will, dann muss man sich damit auseinandersetzen und nicht TV gucken. 🙂

        Tja, wir wissen das was wir sehen und lesen, aber wer weiß, ob es wahr ist, was wir sehen/lesen?

        Liebe Grüße, Gregor

  2. GreenyArt says:

    Ich glaube, es ist einfach ein Bild das hier schnell fälschlicherweise vermittelt wird. Es wird über Ehrenmorde und Zwangsheirat gesprochen, über Kopftuchzwang und die bevorzugten Männer in den Familien. Und ich denke, wenn man selten mit muslimischen Menschen in Kontakt steht, sieht man eben auch nur dieses eine Bild vor Augen. Man ist dann einfach nicht wirklich in der Lage, sich etwas Anderes vorstellen zu können bzw. den netten Geschichten ruhigen Gewissens Glauben zu schenken.

  3. GreenyArt says:

    Ach Mist…der erste Kommentar wurde wieder nicht gesendet -.- Also ich denke ja, dass wenn man wenig mit anderen Kulturen zu tun hat, passiert es schnell, dass man am Bild festhält, dass der Allgemeinheit gezeigt wird. Da wird von Ehrenmorden gesprochen und von Zwangsheirat, von Mädchen die ohne Bruder nicht raus dürfen und von Kopftuchzwang. So ein Bild brennt sich ein, wenn man nicht die Chance hat oder nutzt, sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Natürlich gibt es diese tragischen Fälle. Aber man muss sich schon mit Muslimen persönlich befassen, um festzustellen, dass es eigentlich nur ein kleiner Teil ist. Der Großteil lebt ja nunmal doch ein (natürlich entsprechend ihrer Kultur, die mit der Deutschen nicht vergleichbar ist) sehr freies Leben.

  4. ninjaan says:

    Ich glaube ich brauche gerade eine Prise deiner Gelassenheit, Amitaf… Schickst du mir welche rüber?
    Kleine Anekdote (Kollegin und ich)
    “ Duuu? Ich habe gehört dein Mann ist ein Araber?“
    „Jap, ist er.“
    „Hast du da nicht Angst? Ich meine, da hört man ja so Sachen, dass die nach der Ehe immer ihr anderes Gesicht zeigen?“
    – kurze Stille –
    „Doch, habe ich! Vor allem weil er seit der Hochzeitsnacht mit nem Säbel zwischen den Zähnen einschläft…. -.-

    Gestern Nacht musste ich dann die Polizei rufen, weil ein (dem Nachnamen nach „nicht migrantischer“) Mann seine Frau so verprügelt hat, dass ich im Nebenhaus davon wach geworden bin.

    Persönliche Wahrnehmung und Erfahrung vs. Realität und Logik : Warum hat eigentlich keiner Angst vorm „deutschen“ Mann? 😉

    • amitaf86 says:

      Jahrelange Übung meine Liebe. 😀 🙂 Mit der Zeit gewöhnt man sich alles, aber ich packe dir gleich ein kleines Päckchen ein, dass müsste für die nächsten Gespräche mit deiner Kollegin reichen. 😉

      Mit solchen Fragen hat man immer zu kämpfen. Eine türkische Freundin von mir ist mit einem Pakistani zusammen und sie darf sich sogar von Türken, Tunesiern und anderen ebenfalls solche Fragen anhören. Das er doch irgendwann sein wahres Gesicht zeigen würden und anderes. So ein Schwachsinn.

      Das mit deiner Nachbarin ist auch eine krasse Geschichte. Traurig. Es ist einfach nur traurig wie das männliche Geschlecht sich die physikalische Überlegenheit zu Nutze macht (unabhängig von Alter, Rasse und Geschlecht). Deine Frage ist berechtigt. Ich denke der „deutsche Mann“ ist in den Augen der Gesellschaft friedvoll und zu Gewalt nicht fähig.

      • ninjaan says:

        Vielen, vielen Dank! 🙂
        Ja, es ist absoluter Schwachsinn und den hat leider niemand gepachtet, der ist grenzübergreifend, überall gibt es Rassismus. Seit den Unruhen in Ägypten wurde mein Mann auch in Jordanien (seiner eigentlichen Heimat) öfter verbal angegriffen, weil er eigentlich Palästinenser ist (vom Papa aus) und diese von einigen Medien für die Unterstützung Mursis verantwortlich gemacht wurden… -.-

        Ja, die häusliche Gewalt schiebt man gerne den Anderen zu, es ist ja so eine unangenehme Sache. Es sind immer die „Ärmeren“, die „Ungebildeten“, die „Andersgläubigen“, die mit einer anderen Nationalität bei denen es vorkommt – bei uns ? NIEMALS! -.-

  5. Vorurteile sind so hartnäckig, weil derjenige, der sie hat, sie nicht als solche erkennt. Er ist vielmehr überzeugt, dasjenige, worum es geht, zu „wissen“ und kommt deshalb gar nicht auf die Idee, nachzufragen oder sich weiter zu informieren. Nur wenn man gegenüber dem eigenen Wissen stets misstrauisch bleibt, bleibt man offen für Verbesserungen.

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