Dialog im Dunkeln

DiD

Vor zwei Wochen war ich mit meiner Trainergruppe in Hamburg beim Dialog im Dunkeln. Wir wussten alle nicht so recht, was uns erwartet. Auf den Eintrittskarten stand, dass die Führung ca. 90 min dauert. Da wir noch eine gute halbe Stunde hatten, bevor es in den dunklen Raum ging, spekulierten wir, was uns alles erwarten könnte.

Als die erste Gruppe rein ging, wurde auch bei uns anderen die Spannung spürbar. In sechser Gruppen wurde man von einer Person in einen sehr dunklen Raum geführt. Wir bekamen zwei Führerinnen, eine schon seit der Geburt blind, die andere hatte ihre Sehkraft mit der Zeit verloren. Am Anfang der Führung erhielten wir einen Blindenstock und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns hauptsächlich an der Stimme anderer orientieren können. Ich machte sofort klar, dass ich in der Mitte gehen wollte.

Kaum waren wir in dem ersten Raum, hatte ich schon richtig Angst. Ich mag es nicht, wenn mir irgendetwas unbekannt ist und ich auf andere angewiesen bin. Nachdem ich ein paar Schritte gegangen war landete ich schon in einer Sackgasse. Wir sollten der Stimme der Führerin folgen, aber ich lief irgendwie überall gegen und kam nicht weiter. Plötzlich ergriff mich Panik. Ich hatte richtig Angst wo ich da gelandet war. Ich fing an etwas lauter zu werden und rief, dass ich nicht wisse wo ich bin und wo ich hin soll. Meine Freundin kam zu mir, nahm mich am Arm und führte mich in die richtige Richtung. Gott, war ich ihr dankbar.

Meine Augen schmerzten. Ich hatte sie offen gelassen, aber es war zu anstrengend. Ich versuchte sie zu schließen, aber machte sie automatisch wieder auf, sobald ich auf Widerstand stieß. Ich musste mich konzentrieren, um die Augen geschlossen zu halten.

Die Räume waren unterschiedlich, wir mussten Geräusche erkennen, über kleine Brücken gehen, unterschiedliche Materialien, Obst und Gemüse ertasten, einiges konnte man auch erriechen. Kurz bevor es in den letzten Raum (Bar im Dunkeln) ging wurden wir auf eine kleine Fähre geführt, hier wurden wir an die Hand genommen, damit jeder seinen Platz einnehmen konnte. Danach wurden wir durchgeschaukelt, damit wir das Gefühl auf einer richtigen Fähre nachempfinden konnten. Wind und Wasserspritzer inklusive.

In der Dunkelbar konnte man sich Snacks und Getränke bestellen und diese vor Ort verzehren, während wir in einer gemütlichen Runde zusammensaßen, an unseren Sachen knabberten und etwas tranken, sprachen wir über das eben erlebte. Unsere Führerinnen erlaubten uns persönliche Fragen zu stellen und was wir vielleicht schon immer wissen wollten.

Dialog im Dunkeln ist eine spannende Erfahrung und jeder sollte sie mal gemacht haben. Man kriegt einen guten, wenn auch sehr kurzen Einblick in das Leben blinder Menschen. Fragen im Bezug auf den Alltag werden am Ende beantwortet und es wird aus dem privaten Leben blinder Menschen erzählt, sowie deren Gefühlswelt und wie sie bestimmte Dinge sehen.

Solltet ihr mal Gelegenheit bekommen Dialog im Dunkeln zu besuchen, dann macht das, es lohnt sich.

Eure
Amitaf

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Über amitaf86
Studentin.

2 Responses to Dialog im Dunkeln

  1. Bao says:

    Ich weiß nicht wo du das besucht hast aber in der Deutschen ArbeitsSchutzAusstellung (DASA) in Dortmund gab es zumindest so ein ähnliches Projekt. ich weiß nur nicht ob das noch angeboten wird.

    • amitaf86 says:

      Danke für den Beitrag! 🙂 Ich hab Dialog im Dunkeln in Hamburg besucht. 🙂 Aber gut zu wissen, dass es so etwas in Dortmund (vielleicht immer noch) gibt. 🙂

      LG
      Amitaf

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