Hintergrund der Entwicklung des Prostitutionstourismus (in Thailand)

Das Vergnügen des weißen Mannes ist in Thailand zu einem Massenphänomen ohnegleichen geworden. Der Sextourismus war bis 1989 (bis zur rasanten Ausbreitung von HIV) eine unverzichtbare, sogar geförderte Komponente der Attraktivität Thailands als Reiseziel, obwohl Prostitution offiziell verboten ist. Wichtige Segmente der Tourismuswirtschaft sind Bangkok, Patong auf Phuket, Pattaya, Samui und Hat Yai. (Vorlaufer, 2009, 205) Thailand hat sich einen Namen als „Bordell der Welt“ gemacht. (vgl. Vorlaufer, 2009, 205)

Walter Meyer, der mehrere Jahre in Thailand gelebt hat, sagt darüber: „Die Prostitution wird hier zur kollektiven Entwürdigung und neokolonialistischen Ausbeutung. Denn entgegen der weitverbreiteten Auffassung, die Thais seien ein lockeres Völkchen und ihre Sexualmoral sei lasch und unkompliziert, sind ihre Moralbegriffe wesentlich strenger und komplizierter als bei uns.“ (Renschler, 1991, 103) Die Geschichte Thailands ist die Geschichte einer buddhistischen, patriarchalischen, polygamen und ständischen Gesellschaft. Die Frau war dem Manne immer untergeordnet (vgl. Renschler, 1991, 103), was ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Prostitutionstourismus ist.

Die Mädchen wurden erzogen, um dem Mann zu gefallen. Sie hatten schon immer eine untergeordnete Stellung inne, was auch dazu führte, dass sie die Verantwortung für die Familie übernahmen, da es dem Mann frei stand nach seinen Gelüsten zu leben. Er durfte jederzeit weggehen, während die Frau verpflichtet war für die Familie zu sorgen.

Die meisten Prostituierten sind Frauen und Mädchen aus armen Regionen. (Bales, 2001, 62) Sie wählen die Sexbranche meist selbst (als Metier) aus, da diese (verglichen mit anderen Tätigkeiten) ein höheres Einkommen bietet. Zum einen haben die Mädchen einen hohen ökonomischen und gesellschaftlichen Druck, zum anderen haben sie den Wunsch nach Konsumgütern und der Flucht vor dem Landleben. Ein Drittel der Prostituierten kommt aus dem Nordosten des Landes, da es die ärmste Region Thailands ist. Die hellhäutigen Frauen gelten als die schönsten des Landes. Im Gegensatz zu anderen Gebieten, wo die Prostituierten als schlechte Mädchen gelten und kaum Chancen auf eine Heirat haben (weswegen viele ihren Beruf verschweigen), werden sie hier geachtet, da sie die Familie mit Geld und Geschenken versorgen.

Quellen:
Bales, Kevin (2001): Die neue Sklaverei. München: Verlag Antje Kunstmann GmbH.
Renschler, Regula (1991): Ware Liebe: Sextourismus, Prostitution, Frauenhandel. 3. Auflage. Wuppertal: Peter Hammer Verlag.
Vorlaufer, Karl (2009): Südostasien. Darmstadt: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft).

Eure
Amitaf

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Über amitaf86
Studentin.

2 Responses to Hintergrund der Entwicklung des Prostitutionstourismus (in Thailand)

  1. Low says:

    Hörensagen. Viel Theorie.
    Ich kenne Thailand seit 40 Jahren. Seit zwölf Jahren lebe ich in kleinen Dörfern im Norden. Ihr Aufsatz weist mehrere Ungereimtheiten auf.
    Es gibt zwar viele Tempel im Land. Das sind Kulissen für die Selbstdarstellung. Die meisten Thais sind keine Buddhisten. Sie verehren ihre Naturgötter und Geister. Um Lehren und Regeln des Buddhismus kümmern sie sich nicht. Prostitution gab es vor dem Tourismus.
    In den Schulen wird von 12 und 13 jährigen Kindern Geschlechtsverkehr betrieben.
    Ein Fünftel bis ein Viertel der 14 jährigen Mädchen haben bereits Kinder geboren oder mehrere Abtreibungen hinter sich.
    Während die Mädchen dann ab 16 Jahren oder jünger, noch im Schutzalter, in einer Bar anschaffen, beaufsichtigt die Grossmutter den Nachwuchs. Sofern die Polizei eine mehrfache Mutter mit einem Ausländer erwischt, kann es teuer werden, wegen Unzucht mit Minderjährigen.
    Die Väter der Kinder, Landsleute, Schüler, Onkel, Väter, Lehrer, werden nicht verfolgt. Es gibt keinen Schutz für die jungen Mädchen. Die Schulen versagen total.
    Wir nahmen einen kleinen Knaben auf, um ihm eine gute Ausbildung ermöglichen. Deshalb hatte ich verschiedentlich tiefe Einblicke ins System.
    Mehr Einblicke vermitteln: http://hinterindien.com oder
    http://www.forumthailandtip.com/index.php?PHPSESSID=863747f90850063938245e5dc28cdab0&topic=1225.0
    Mit freundlichen Grüssen
    Low

  2. amitaf86 says:

    Hallo Low.

    Als erstes ein Danke für diesen aufklärenden Kommentar. Es ist super, wenn man Informationen von jemandem bekommt, der vor Ort alles sieht und miterlebt. Es ist unglaublich, was du da erzählst/schreibst. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Wie kommt es, dass die Kinder in so jungem Alter (freiwillig) Geschlechtsverkehr haben?

    Ich kann leider nur das wiedergeben, was ich gelesen habe und in diversen Artikeln fand, deshalb bitte um Nachsicht und Verbesserung, wenn ich etwas falsches schreiben sollte.

    LG
    Amitaf

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