Auf dem Weg ins Kackar-Gebirge.

Nachdem wir uns von Mahmut verabschiedet hatten, verbrachten wir einige Zeit an der Straße bis ein LKW hielt, der nach Azerbaijan fuhr. Der LKW Fahrer war kein sehr gesprächiger Mann, ich wechselte keine zwei Sätze mit ihm, dies überlies ich den anderen. Der sehr dünne Mann nahm uns bis Pazar* mit. Wir hatten nicht damit gerechnet so weit zu kommen, die Reise verlief besser als erwartet.

Wieder mal standen wir an der Straße, diesmal diskutierten wir darüber wo wir schlafen sollten. Ich war natürlich für ein nettes Hotel, etwas warmes zu Essen und ein gemütliches Bett zum Schlafen. Dies stieß bei den Einsparrungen, die sich der mit uns reisende tschechische Erasmusstudent (nennen wir ihn Vojtech) vorgenommen hatte, auf Widerstand. Da Miriam seiner Meinung war ging es also unter die neben der Straße liegende Brücke. Ja richtig! Wir schliefen unter einer Brücke. Ich konnte mich dafür ganz und gar nicht begeistern, da meine Gedanken schon bei einer heißen Corba** und einem warmen Bett waren. Innerlich erklärte ich mich selbst für verrückt, dass ich dies alles mitmachte und stellte mir vor was meine Mutter sagen würde, wenn sie das alles mitbekommen hätte. Ich wäre bestimmt für nicht zurechnungsfähig eingestuft worden.

Das Gras unter der Brücke wuchs sehr hoch, etwas über einen Meter. Wir fanden einen Platz, der von der Straße aus nicht gesehen werden konnte, da er von völligem grün abgeschirmt war. Steine (die wir kaum sahen, da es schon dunkel war) räumten wir aus dem Weg und schlugen unser Nachtlager, bestehend aus Schlafsäcken auf, aßen etwas und versuchten zu schlafen. Meine Nacht verlief sehr unruhig, die von den Steinen übriggebliebenen Löcher machten mir zu schaffen und ermöglichten es nicht sich auch nur annähernd bequem einzurichten.

Erst am Morgen konnten wir unser Umfeld wahrnehmen. Vor unseren Augen breitete sich das blaue Meer aus und hinter uns lag ein kleiner Ort, in dessen Rücken die Berge emporprangten, wie zur Verteidigung vor einer Bedrohung.  Mit Aussicht auf das Meer verschlangen wir die Essensreste vom Vortag, gingen in den kleinen Ort hinüber und machten uns anschließend mit einem Dolmus*** auf den Weg nach Ayder. Dort angekommen trafen wir auf zwei Tschechinnen, die ebenfalls in das Kackar-Gebirge wollten. So beschlossen wir zusammen hochzusteigen. In Ayder kauften wir uns noch Essensproviant und warteten auf den nächsten Dolmus, der nach Kafron (eine Anhöhe des Gebirges) fuhr.

Wie auf alles andere warteten wir auch einige Zeit auf den Dolmus. Miriam und ich sahen uns in dem kleinen Örtchen etwas um. Ich kaufte (wie in jedem Ort) einen Kühlschrankmagneten und suchte verzweifelt nach einer Postkarte. Irgendwann fand ich einen kleinen Laden, der welche hatte (sie sahen aus, als wären sie schon 10 Jahre alt, spiegelten allerdings die Landschaft genauso wieder wie sie heute aussah). Ich wollte ihm eine abkaufen, aber der Ladenhändler wusste selbst keinen Preis zu nennen, also schenkte er mir die Postkarte zusammen mit einem Mini-Heftchen türkischer Küche. Ich bedankte mich herzlich und wünschte ihm noch alles Gute, bevor wir in die Berge aufbrachen.

*Pazar ist ein kleiner Ort am Schwarzen Meer, westlich von Rize, gelegen.
**Corba ist die türkische Bezeichnung für Suppe, wobei diese immer dickflüssig ist.
***Dolmus ist ein Sammeltaxi, ein typisches öffentliches Personennahverkehrstransportmittel in der Türkei. Der Dolmus fährt erst dann los, wenn alle bzw. genügend Plätze im Wagen besetzt sind.

Advertisements

Unfreundlich oder ehrlich und direkt …

In den letzten Jahren musste ich feststellen, dass nicht alle Menschen mit ehrlichen Aussagen umgehen können, egal in welcher Beziehung man zu diesen stand oder steht. Früher dachte ich immer, wenn man mich um Rat fragt, dann möchte man auch meine ehrliche Meinung hören und nicht irgendwelche Lügen, um sich selbst besser zu fühlen. Also antwortete ich auf alles (dummerweise) ehrlich.

Vor ein paar Jahren begegnete mir ein Mensch, der in mir sich in jüngeren Jahren sah und warnte mich vor vielen Sachen. Wie beispielsweise, dass Menschen die Wahrheit so direkt nicht hören wollen. Damals gab mir dieser Mensch viele wertvolle Tipps fürs Leben, heute sind sie endlich auch bei mir angekommen. Viele Menschen wollen belogen werden und die Kunst liegt darin aus ihrer Frage herauszuhören welche Antwort (eine oftmals getarnte Lüge) sie sich erhoffen. Fallen die Antworten den Erwartungen entsprechend aus, so ist einem der Platz auf der Beliebtheitsskala sicher, driftet die Antwort in eine ungewünschte Richtung wird man als unfreundlich abgetan und evtl. gemieden.

Bis heute begegne ich Mitmenschen, die offen sagen, dass sie belogen werden wollen. Wenn der Freund/die Freundin einen Betrug begeht, dann sollen diese es ruhig machen, solange es der/diejenige nie erfährt. Ehrliche Aussagen sollen doch bitte, wenn schon ausgesprochen, dann mit Blümchen umschmückt und nett eingepackt werden, so dass man erst beim genauen hinhören (was auch schon vielen schwer fällt) und nachdenken bemerkt, was der Sender überhaupt gemeint hat. Sollte man zu ehrlich sein, dann fühlen sich die Empfänger verletzt oder gar gekränkt und die Sender zurückgewiesen und beleidigt, weil auf ihre Aussage nicht so reagiert wurde, wie erwartet.

Wie man es dreht und betrachtet eines ist sicher, die Menschen wollen die Wahrheit nur selten hören. Eine traurige Feststellung …