Per Anhalter durch die Türkei.

Nachdem meine Freundin, ein weiterer Erasmus Student und ich schon mit einem Pärchen, anschließend mit einem Jungen, danach einem LKW-Fahrer, der uns zur Rast zwang und schließlich mit zwei Jungs den Weg aus Samsun, gen Osten, zum Teil hinter uns gelassen hatten, standen wir wieder in bestimmten Abstand Anhalter auf der Straße. Ich war vorher nie per Anhalter gefahren und hab die Leute, mit denen wir fuhren, immer genau unter die Lupe genommen. Meine Freunde hatten das schon öfter gemacht, das waren eingefleischte Backpacker, während ich mit meinen goldenen Sandalchen und einem großen Wanderrucksack  ein eher lustiges Bild darbot. Irgendwann hielt ein ca. 30 jähriger LKW Fahrer an, der im ersten Augenblick nach Macho aussah. Nachdem wir unsere Backpacker Rucksäcke verstaut hatten fuhren wir weiter Richtung Rize. Mahmut stellte sich als sehr freundlicher Mensch heraus, gleich am Anfang der Fahrt wollte er anhalten um uns Nüsse zu kaufen, da diese in bestimmten Orten, an denen wir vorbeifuhren, wohl sehr berühmt für ihren guten Geschmack waren. Obwohl wir immer wieder strikt ablehnten hielt er doch irgendwann an um sich angeblich irgendwas zu kaufen. Mit Tüten voll Fladenbrot, Tomaten, Gurken und Oliven kam er wieder um sich gleich darauf mit der Hand gegen den Kopf zu schlagen, weil er irgendwas vergessen hatte. Meine Freunde schlugen sich den Bauch voll und Mahmut sah ein bisschen verzweifelt, wie alles Essen verschwand, ich aber keinen Bissen nahm. Verwundert fragte er mich warum ich nichts esse und was ich haben wolle, damit er mir was kaufen könne. Als er erfuhr, dass ich Moslem sei und faste war er völlig überrascht und hat sich gleichzeitig riesig gefreut, er hatte nämlich die ganze Zeit auch nichts gegessen, da auch er fastete. So freundeten wir uns sehr gut mit Mahmut an. Er erzählte von seiner Schwester und von seinem bisherigen Leben. Er war eine sehr vielseitige Person und auch vor dem Beruf des LKW-Fahrers viel in Europa unterwegs gewesen. In Trabzon trennten sich unsere Wege, da Mahmut dort zu Hause war. Vorher aber hielt er an und kaufte eine ganze Essenstüte nur für mich, damit ich was zum Iftar hatte. Ich war so gerührt von dieser Geste und zugleich zutiefst beschämt. Ich hatte doch das Geld um mir Essen zu kaufen, aber Mahmut wollte nichts hören, dickköpfiger lieber Türke. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Mahmut und wünschten ihm alles Gute. Nie werde ich diese liebe Geste vergessen. Nichts ahnend, was noch auf uns wartete machten wir uns auf den Weg. Es war Zeit weiterzukommen…

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Über amitaf86
Studentin.

2 Responses to Per Anhalter durch die Türkei.

  1. eyifas says:

    Juhu, endlich mal ein Text aus deinem TR-Trip! 🙂 Mehr davon!

  2. amitaf86 says:

    😀 Freut mich, dass es dir gefällt. 😀 Ich werde mich bemühen. 🙂 Mal sehn was meine Erinnerungen hergeben. 🙂

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