Wer gut aussieht, hat es leichter.

„Wer gut aussieht, hat es leichter. Im Säuglingsalter, in der Schule, bei Gehaltserhöhungen und vor Gericht kommt man mit gutem Aussehen immer weiter“, las ich neulich in einem Artikel.

Erstaunlich ist, dass wir unbewusst selbst bei Babys auf Schönheit reagieren. Säuglinge mit einem runden Gesichtchen, einer kleinen Stupsnase und riesigen Augen wirken selbst auf Mütter anziehender. Die Schönheit eines Säuglings ist ausschlaggebend dafür wie oft er von seiner Mutter angelächelt und hochgehoben wird und wie viel Körperkontakt er von ihr erhält. Ich erinnere mich gut an einen Satz meines Cousins, als er nach der Geburt seiner Schwester einen zweiten Säugling ansah und meinte „Mama, dieses Baby ist aber hässlich!“. Das Kind war zu früh auf die Welt gekommen und wog gerade mal 1,5kg, während seine Schwester, stolze 60 cm lang und über 4kg schwer, natürlich neben dem mageren Baby wie ein Wonnepropen einfach nur zum knuddeln aussah.

Doch warum lassen wir uns vom Äußeren eines Menschen so beeinflussen? Liegt es daran, dass wir Schönheit mit gut gleichsetzen und Hässlichkeit mit böse? Alleine schon die sprachliche Verwandtschaft von hässlich und hass weist darauf hin.

Ich kann nicht behaupten, dass die Hochglanzmagazine und das heutzutage verkörperte Schönheitsideal spurlos an mir vorbei gegangen sind. Ich versuche, genauso wie viele andere Frauen dieser Welt, soweit möglich stilvoll und gut gekleidet zu sein. Mit gut meine ich zum Teil dem Trend entsprechend zum Teil qualitativ hochwertig. Wobei ich nicht unbedingt auf Markenprodukte achte, erwische mich selbst jedoch dabei, wie ich mir manche teuren Sachen gern kaufen würde. Und glauben wir nicht alle ein bisschen, dass Qualität = teuer ist? Wollen wir nicht alle ein Stück weit bestimmte Statussymbole besitzen?

Ich frage mich ob unsere Vorstellung von Schönheit heute völlig der Mode unterworfen ist. Wenn ich mir bestimmte Frauen aus dem Mittelalter ansehe, gelten diese auch heute noch als schön. Betrachte ich allerdings den Körperbau der Frauen aus bestimmten Zeitperioden, dann kippt das Bild von mager zu drall oder umgekehrt.

Ich glaube wir empfinden das als schön, was wir gewohnt sind. Schönheitsideale sind uns bis zu einem gewissen Grad angeboren werden uns aber auch anerzogen. Uns wird von Kindesalter hin gesagt, was wir als schön und was als hässlich betrachten sollen, wir bekommen sozusagen eine Gebrauchsanleitung. Nicht ein mal im Märchen finden wir einen Bösewicht oder eine Hexe, der/die gut aussieht.

Nur allzu oft höre ich den Satz „ich achte auf innere Schönheit“, doch glaube ich nicht, dass dies bei allen Menschen der Wahrheit entspricht. Ich glaube eher es ist die Angst davor, wie andere reagieren würden, wenn man freiheraus seine Meinung zu dem Äußeren fremder oder seiner Mitmenschen machen würde. Dabei übersehen viele, dass es gerade die inneren Werte sind, welche uns innige Freundschaften knüpfen, an andere Menschen binden und deren wahre Schönheit erkennen lassen.

Ein passendes Zitat hierzu sind Shakespeares Sonette, in welchem es heißt: Wenn erst mal „40 Winter deine Stirn beschweren und Furchen ziehn durch deiner Schönheit Flur“, sei von der jugendlichen Pracht nur noch „ein wertlos Ding, ein schlechter Lumpen“ übrig.

Wir sollten niemals vergessen, dass Schönheit, genauso wie alles andere in diesem Leben, vergänglich ist.

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Über amitaf86
Studentin.

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