Freiwillig fasten …

Meine neue Kollegin begrüßte mich mit dem Satz „Aaaaaaaahhh, du arme! Du tust mir so leid, ich bewundere dich wirklich!“ Ich brauchte ein paar Sekunden um zu verstehen worauf sie hinaus will; der erste Tag des Fastenmonats war angebrochen. Ich erklärte ihr, dass es da nichts zum Leidtun gibt, da es mein freier Wille sei zu fasten. Sie schweifte weiter aus, dass es furchtbar wäre und wie man das aushalten kann, in ihren Augen war Fasten etwas wie Folter. Ich betonte noch ein mal, dass es mein freier Wille sei und  das Fasten jedem Muslim selbst überlassen ist. Wenig später fragte sie mich, ob sie mir gratulieren soll, da sie gelesen habe, dass man das so macht, aber sie nicht verstand warum man mir Gratulation aussprechen solle, wenn ich doch hungere.

Jedes Jahr höre ich mir die Mitleidsbekundungen von meiner Umwelt an, seien es Arbeitskollegen oder Freunde. Über die Menschen in meinem Umfeld, welche schon seit Jahren Bestandteil meines Lebens sind, wundere ich mich heute noch. Dieses Prozedere wird immer wieder aufs Neue durchgeführt und immer wieder muss ich erklären, dass es mir wirklich wirklich nichts ausmacht, wenn man in meiner Gegenwart isst und jedes Jahr kassiere ich ungläubige Blicke. Ein Mensch, der schokosüchtig ist und täglich mindestens 3 l Wasser trinkt soll den ganzen Tag ohne diese auskommen daran glaubten sie nicht. Einige vermieden das essen, andere boten mir immer wieder was Süßes an, um sich im Nachhinein zu entschuldigen (was einige Male am Tag vorkam).

Im Fastenmonat Ramadan geht es nicht ums Hungern oder Qualen, sondern um wertschätzen und Selbstfindung. In diesen 30 Tagen entwickelt man innere Kraft und Disziplin. Die Sinne und der Verstand werden geschärft für das wirklich wichtige im Leben. Am Ende eines Tages bin ich immer dankbar für alles, was Gott mir gegeben hat. Jede Dattel, die ich zum Iftar (Abendmahl am Ende eines Fastentages) als erstes esse, schmeckt dann besser als alle Datteln, die ich je gegessen habe.

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Über amitaf86
Studentin.

2 Responses to Freiwillig fasten …

  1. Eyifas says:

    Sehr schön beschrieben.. insbesondere der letzte Absatz beschreibt das Feeling und die Bedeutung des Ramadan sehr gut wie ich finde.

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