Und wann heiratest du?

Mai 23, 2012

Wie schön ist es doch, wenn man von Bekannten als Begrüßungssatz „Und wann heiratest du?“ hört.

In der bosnischen Kultur hört man so eine Frage meist gleich am Anfang eines Gesprächs. Mich persönlich stört die Frage an sich nicht, sondern einfach die Tatsache, dass dieses Thema eine Privatsache ist und ich nicht mit jedem x-beliebigen Menschen darüber reden möchte. Mich interessiert schließlich auch nicht welcher Hans und Frans FreundIn hat, verheiratet ist oder sonstiges.

Natürlich wird man zwar noch gefragt wie es einem geht, wobei dies nur eine Höflichkeitsfloskel ist, die man schnell runterrattert, denn das wirkliche Interesse gilt dem Beziehungsstatus. Sollte man die Frage verneinen, dann folgt die Frage nach einem Freund, sollte man diese wiederrum verneinen, kann man in den Gesichtern der Menschen regelrecht ablesen was für Gedankengänge durch ihren Kopf strömen. Natürlich ist das Thema damit nicht beendet, dies wäre schließlich unhöflich. Man bringt ein Mädchen nicht in eine solche „peinliche“ bzw. „unangenehme“ Situation und lässt sie dann im Regen stehen. Es ist eher so, dass die Fragesteller selbst „Entschuldigungen“ für einen finden und begründen, warum ihr Gegenüber keinen Partner im Leben hat oder noch nicht in den „glücklichen Hafen der Ehe“ eingelaufen ist. Berufliche Gründe, sowie Schule und Studium haben schließlich Vorrang  undsoweiterundsofort.

Frau hat allerdings schon fast Pech, wenn sie die 25 überschritten hat, denn ab dieser Altersstufe ist man quasi nicht mehr vermittelbar. Was will ein Mann schließlich mit einer so alten „Schabracke“, da nimmt man doch lieber die ab 18, das ist „Frischfleisch“, die kann man noch formen und biegen wie man es gerne hätte. Jawohl!


Auf dem Weg ins Kackar-Gebirge.

Januar 29, 2012

Nachdem wir uns von Mahmut verabschiedet hatten, verbrachten wir einige Zeit an der Straße bis ein LKW hielt, der nach Azerbaijan fuhr. Der LKW Fahrer war kein sehr gesprächiger Mann, ich wechselte keine zwei Sätze mit ihm, dies überlies ich den anderen. Der sehr dünne Mann nahm uns bis Pazar* mit. Wir hatten nicht damit gerechnet so weit zu kommen, die Reise verlief besser als erwartet.

Wieder mal standen wir an der Straße, diesmal diskutierten wir darüber wo wir schlafen sollten. Ich war natürlich für ein nettes Hotel, etwas warmes zu Essen und ein gemütliches Bett zum Schlafen. Dies stieß bei den Einsparrungen, die sich der mit uns reisende tschechische Erasmusstudent (nennen wir ihn Vojtech) vorgenommen hatte, auf Widerstand. Da Miriam seiner Meinung war ging es also unter die neben der Straße liegende Brücke. Ja richtig! Wir schliefen unter einer Brücke. Ich konnte mich dafür ganz und gar nicht begeistern, da meine Gedanken schon bei einer heißen Corba** und einem warmen Bett waren. Innerlich erklärte ich mich selbst für verrückt, dass ich dies alles mitmachte und stellte mir vor was meine Mutter sagen würde, wenn sie das alles mitbekommen hätte. Ich wäre bestimmt für nicht zurechnungsfähig eingestuft worden.

Das Gras unter der Brücke wuchs sehr hoch, etwas über einen Meter. Wir fanden einen Platz, der von der Straße aus nicht gesehen werden konnte, da er von völligem grün abgeschirmt war. Steine (die wir kaum sahen, da es schon dunkel war) räumten wir aus dem Weg und schlugen unser Nachtlager, bestehend aus Schlafsäcken auf, aßen etwas und versuchten zu schlafen. Meine Nacht verlief sehr unruhig, die von den Steinen übriggebliebenen Löcher machten mir zu schaffen und ermöglichten es nicht sich auch nur annähernd bequem einzurichten.

Erst am Morgen konnten wir unser Umfeld wahrnehmen. Vor unseren Augen breitete sich das blaue Meer aus und hinter uns lag ein kleiner Ort, in dessen Rücken die Berge emporprangten, wie zur Verteidigung vor einer Bedrohung.  Mit Aussicht auf das Meer verschlangen wir die Essensreste vom Vortag, gingen in den kleinen Ort hinüber und machten uns anschließend mit einem Dolmus*** auf den Weg nach Ayder. Dort angekommen trafen wir auf zwei Tschechinnen, die ebenfalls in das Kackar-Gebirge wollten. So beschlossen wir zusammen hochzusteigen. In Ayder kauften wir uns noch Essensproviant und warteten auf den nächsten Dolmus, der nach Kafron (eine Anhöhe des Gebirges) fuhr.

Wie auf alles andere warteten wir auch einige Zeit auf den Dolmus. Miriam und ich sahen uns in dem kleinen Örtchen etwas um. Ich kaufte (wie in jedem Ort) einen Kühlschrankmagneten und suchte verzweifelt nach einer Postkarte. Irgendwann fand ich einen kleinen Laden, der welche hatte (sie sahen aus, als wären sie schon 10 Jahre alt, spiegelten allerdings die Landschaft genauso wieder wie sie heute aussah). Ich wollte ihm eine abkaufen, aber der Ladenhändler wusste selbst keinen Preis zu nennen, also schenkte er mir die Postkarte zusammen mit einem Mini-Heftchen türkischer Küche. Ich bedankte mich herzlich und wünschte ihm noch alles Gute, bevor wir in die Berge aufbrachen.

*Pazar ist ein kleiner Ort am Schwarzen Meer, westlich von Rize, gelegen.
**Corba ist die türkische Bezeichnung für Suppe, wobei diese immer dickflüssig ist.
***Dolmus ist ein Sammeltaxi, ein typisches öffentliches Personennahverkehrstransportmittel in der Türkei. Der Dolmus fährt erst dann los, wenn alle bzw. genügend Plätze im Wagen besetzt sind.


Unfreundlich oder ehrlich und direkt …

Januar 27, 2012

In den letzten Jahren musste ich feststellen, dass nicht alle Menschen mit ehrlichen Aussagen umgehen können, egal in welcher Beziehung man zu diesen stand oder steht. Früher dachte ich immer, wenn man mich um Rat fragt, dann möchte man auch meine ehrliche Meinung hören und nicht irgendwelche Lügen, um sich selbst besser zu fühlen. Also antwortete ich auf alles (dummerweise) ehrlich.

Vor ein paar Jahren begegnete mir ein Mensch, der in mir sich in jüngeren Jahren sah und warnte mich vor vielen Sachen. Wie beispielsweise, dass Menschen die Wahrheit so direkt nicht hören wollen. Damals gab mir dieser Mensch viele wertvolle Tipps fürs Leben, heute sind sie endlich auch bei mir angekommen. Viele Menschen wollen belogen werden und die Kunst liegt darin aus ihrer Frage herauszuhören welche Antwort (eine oftmals getarnte Lüge) sie sich erhoffen. Fallen die Antworten den Erwartungen entsprechend aus, so ist einem der Platz auf der Beliebtheitsskala sicher, driftet die Antwort in eine ungewünschte Richtung wird man als unfreundlich abgetan und evtl. gemieden.

Bis heute begegne ich Mitmenschen, die offen sagen, dass sie belogen werden wollen. Wenn der Freund/die Freundin einen Betrug begeht, dann sollen diese es ruhig machen, solange es der/diejenige nie erfährt. Ehrliche Aussagen sollen doch bitte, wenn schon ausgesprochen, dann mit Blümchen umschmückt und nett eingepackt werden, so dass man erst beim genauen hinhören (was auch schon vielen schwer fällt) und nachdenken bemerkt, was der Sender überhaupt gemeint hat. Sollte man zu ehrlich sein, dann fühlen sich die Empfänger verletzt oder gar gekränkt und die Sender zurückgewiesen und beleidigt, weil auf ihre Aussage nicht so reagiert wurde, wie erwartet.

Wie man es dreht und betrachtet eines ist sicher, die Menschen wollen die Wahrheit nur selten hören. Eine traurige Feststellung …


Wenn der eigene Körper zum größten Feind wird …

November 14, 2011

„Ich bin zu dick.“ „Ich muss mehr Sport machen.“ „Hätt ich doch bloß nicht die Schokolade gegessen.“ Viele von uns kennen solche Situationen, in denen wir es bereuen, wenn wir unseren Körper nicht 3 Mal pro Woche ins Schwitzen gebracht oder wenn wir doch mal eine Süßigkeit zu viel gegessen haben. Die meisten von uns haben heutzutage kein entspanntes Verhältnis zu ihrem Körper. Obwohl wir genau wissen, was wir tun müssen um uns gesund zu ernähren, fällt es uns schwer es umzusetzen. Dies alles führt zu einer ungesunden Situation. Ein schlechtes Gewissen plagt uns, wir können nicht mehr richtig genießen, Sorgen über das Gewicht, unser Bindegewebe und was nicht noch alles kommen auf. Statt uns das Leben zu erleichtern, setzt uns dieses Wissen unter Druck. Für eine kurze Zeit schaffen wir es ein paar Kilo abzunehmen, mehrmals pro Woche zum Sport zu gehen, keine Süßigkeiten mehr zu kaufen, früher oder später kommt jedoch die Couch-Potato, die Waage-Ignoriererin und der Schokoladenfan in uns durch.

Viele von uns sind mit ihrem Körper unzufrieden und kämpfen ständig gegen ihn an. Vor allem Frauen hadern mit ihrem Gewicht. Der Bauch wird als zu dick, die Oberschenkel als zu schwabbelig und die Hüften als zu breit empfunden. Jährlich unterziehen sich in Deutschland eine halbe Millionen Frauen einer Schönheitsoperation.

Männer fühlen sich ebenfalls unter Druck gesetzt. Essstörungen sind auch bei ihnen längst nicht mehr eine Seltenheit. Wünschen sich Männer einen schlanken Körper, dann werden sie essgestört, möchten sie hingegen dem männlichen Schönheitsideal (breite Brust, schmale Hüfte) entsprechen, so werden sie fitnesssüchtig. Im Jahre 2009 hatten sich bereits 19,5 Prozent aller Männer in Deutschland einer Schönheitsoperation unterzogen, während es im Jahre 2000 nur 10 Prozent waren. Sie erhoffen sich nach so einem Eingriff bessere Chancen bei Frauen und ein leichteres Berufsleben.

Die Medien fördern die Komplexe der Menschen umso mehr, indem sie klapperdürre und gestylte Models als die Beautys der Welt hinstellen. Und Jugendliche, wetteifern diesem Ideal zu einem Großteil nach. (Fast die Hälfte der 11-13 jährigen hat Erfahrungen mit Diäten.) Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und dem eigenen Körper ist in unserer Gesellschaft zu einer wahren Epidemie geworden. Es fällt Mädchen schwer sich schön zu fühlen, wenn sie sich mit den heutigen Schönheitsidealen konfrontiert sehen. Dabei sehen viele nicht, dass der Einfluss dieser veröffentlichten Schönheits- und Schlankheitsbilder fatal und das Bemühen um so einen Körper meist aussichtslos ist. Das extreme Körperideal entspricht den Maßen 90-60-90 (Brust, Taille, Hüfte in Zentimetern) und die Konfektionsgröße 38 entspricht den Maßen 88-72-97. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Deutsche Frau ist ca. 1,63 Meter groß, wiegt 69,9 Kilogramm, hat einen Taillenumfang von 83 Zentimetern, einen Hüftumfang von 103,6 Zentimetern und einen BMI (Body-Mass-Index) von 26,1.

Was als schön und chic gilt, wird auch zunehmend vom Internet bestimmt. Dieses bietet leichten Zugang zu Pornografie und bereits junge Menschen werden mit den perfekten Körpern und perfekten Geschlechtsmerkmalen konfrontiert. Viele haben die Vorstellung, dass der Körper beliebig formbar ist, wie ein Avatar. Die American Sciety of Plastic Surgery berichtet, dass die Vaginalchirurgie das am schnellsten wachsende Segment unter den Schönheitsoperationen ist. In Deutschland wurden im Jahre 2008 schätzungsweise 20000 korrigierende Eingriffe vorgenommen und die Frauen wurden bei diesem Wunsch häufig von ihrem Partner unterstützt.

Die Autorin Susie Orbach empört sich darüber, dass es als normal gilt, seinen Körper nicht zu mögen. Orbach: „Millionen Menschen schämen sich für ihn, kämpfen gegen ihn, weil er sie verstört und verunsichert. Das ist ein immenses Problem und hat nichts mit Eitelkeit zu tun.“ Orbach spricht von „Körperterror“ und warnt: „Es ist viel ernster, als wir glauben wollen, genau genommen handelt es sich um einen Gesundheitsnotstand, der Namen trägt wie Selbstzerstörung, Übergewicht, Magersucht, Körperhass und Körperkult und Fitnesswahn.“

Viele Menschen glauben, wenn sie ihren Körper managen, dann werden sie auch glücklicher. Denn mit einem perfekten Körper, welcher der Norm entspricht, sind wir erfolgreich, anerkannt und begehrt. Vor allem Frauen denken, dass, wenn sie erst mal schlank sind, sie den Mann ihrer Träume finden, ihre Projekte verwirklichen können und erfolgreich sein werden. Niemand schaut uns schief an, wenn wir 3 mal pro Woche ins Fitnessstudio gehen oder uns kein Stück Kuchen gönnen. Jeder hat Verständnis, wenn wir Diät halten und wir ernten große Bewunderung, wenn es uns gelingt einen Marathon zu laufen. Indem wir unseren Körper im Griff haben, zeigen wir unserer Außenwelt, dass wir unser Leben im Griff haben. Unser Körper dient uns zur Selbstdarstellung und Selbstinszenierung, genauso wie unsere Kleidung, Wohnung, Auto. Durch den Körper kommunizieren wir mit der Umwelt und wie wir von ihr wahrgenommen werden wollen. Er dient uns als eine Art Schutzschild, ist er in Ordnung, dann brauchen wir keine Befürchtungen zu haben, dass andere unsere Unsicherheit, Traurigkeit, Selbstzweifel oder Überforderung merken.

Der Mensch muss lernen sich selbst so zu akzeptieren wie er ist, wenn er glücklich werden will. Dieses ist allerdings nicht so einfach in einer Welt, in der wir ständig aufgefordert werden uns zu verbessern, an uns zu arbeiten und immer nach Vervollkommnung zu streben.

Jeder Mensch sollte dann essen, wenn er hungrig ist und dann aufhören, wenn er satt ist. Ein bisschen mehr regelmäßige Bewegung und vor allem gesunde Ernährung reichen aus, um sich und seinen Körper fit zu halten. Einfach mal das Auto gegen das Fahrrad austauschen und in anderen Situationen das Fahrrad gegen einen Spaziergang. Man darf seinen Körper nicht  als seinen Feind betrachten, sondern sollte sich in diesem wohl fühlen, sollte sich in diesem willkommen fühlen. Genauso wohl, wie in seinem eigenen Heim, das nicht perfekt sein muss um einem Geborgenheit und Schutz zu bieten.


Im Bus nach Georgien …

Oktober 25, 2011

Nachdem meine Freundin (nennen wir sie Miriam) und ich schon im Nordosten der Türkei waren, dachten wir uns ein kleiner Trip nach Georgien könne nicht schaden. Bei einem Busunternehmen erkundigten wir uns wie lange so eine Fahrt dauern würde, ca. 7 Std. war die Antwort. Voller Vorfreude stiegen wir also in den Bus, der uns nach Tiflis fuhr. Noch ahnten wir nicht, dass aus den 7 Std. 13 werden würden.
Wir waren nicht viele Reisende, nur ein paar wenige Menschen. Bevor wir die Grenze Georgiens erreichten, hielten wir an einem abgelegenen Haus, weit und breit gab es keine Menschenseele. Die Busfahrer und –begleiter räumten alles (mit Ausnahme der Passagierkoffer) aus dem Bus, selbst Essen, nicht einmal Wasser ließen sie übrig. Als der Bus ausgeräumt war fuhren wir weiter. An der Grenze wurde der Bus komplett durchsucht, selbst die kleinste Tasche musste raus. Erst nachdem unsere Rucksäcke zwei Scanner durchlaufen hatten, konnten wir sie wieder in den Bus packen.
Die Zeit verstrich und wir merkten, dass wir so schnell nicht in Tiflis ankommen würden. Miriam setzte sich auf den Zweiersitz vor mir und wir wollten beide ein bisschen entspannen und eventuell schlafen, da es mittlerweile Nacht geworden war. Ein paar Reihen hinter mir saßen drei Frauen mit ihren Kindern und ein junger Mann, sie waren alle gemeinsam in den Bus gestiegen, ich nehme an sie waren eine Familie. Der Bus war kaum gefüllt und so konnten diese sich auch über mehrere Sitze verteilen.
Irgendwann kam der Busbegleiter und setzte sich einfach neben mich (leider hatte ich nicht beide Sitze eingenommen). Erstaunt sah ich ihn an. Was wollte dieser Mann von mir? Er hatte uns vorher schon ausgefragt woher wir kamen und was wir in Tiflis wollten, aber das war mittlerweile nichts Neues für uns, da uns solche Fragen tagtäglich begegneten.
Kaum saß er, lehnte er sich gemütlich zurück und machte die Augen zu. Ich fiel aus allen Wolken. Kerzengerade richtete ich mich auf und sah verzweifelt nach hinten. Ich schämte mich dafür, dass dieser Mann sich einfach zu mir gesetzt hatte. Wer gab ihm das Recht dazu? Die Frauen sahen mich ohne Ausdruck im Gesicht an und drehten sich weg. Ich war enttäuscht, warum sagten diese Frauen nichts? Warum wies keiner diesen Mann, der mein Vater hätte sein können, darauf hin, dass sich so ein Verhalten nicht gehört, dass er aufstehen und sich wo anders hinsetzen soll?! Als ich zu ihm sah tat dieser so, als schliefe er. Der Arm, welchen er über meinen Sitz gelegt hatte, rutschte immer weiter nach unten. Irgendwann merkte er, dass da ja niemand mehr saß und sich seine Sitznachbarin schon auf den Beinen hielt, den Vordersitz umklammert. Immer noch verwirrt sah ich ihn an und hoffte, dass er jetzt endlich verschwinden würde, aber da hatte ich falsch gedacht. Dieser Mann tat so, als wäre er durch das Abrutschen seines Armes aufgewacht, sah mich an, wies mit der flachen Hand auf meinen Sitz und sagte auf Türkisch „komm“ zu mir. Ich brachte ein „nein“ heraus und schüttelte den Kopf. Die Antwort darauf war ein Achselzucken und schon waren die Augen wieder geschlossen. Nun war ich mit meiner Geduld wirklich am Ende. Ich sah noch einmal zu den Frauen, die sich weggedreht hatten, aber sie machten nach wie vor nichts, es gab keine Reaktion ihrerseits, es interessierte sie nicht was da vor ihren Augen vor sich ging. Schließlich lehnte ich mich nach vorne zu Miriam, die felsenfest schlief. Ich wollte sie in diesem Augenblick wachrütteln und schreien „Sieh dir diese Unverschämtheit an!“, doch stattdessen rief ich in normaler Lautstärke ihren Namen. Natürlich reagierte sie nicht, was hatte ich erwartet. Wütend drehte ich mich dem Man zu, stieß ihn mit meinem Zeigefinger an der Oberschulter und sagte in meinem damals gebrochenen Türkisch „Sie! Gehen! Da hin!!!“ und wies auf einen Platz zwei Reihen vor mir. Als er jedoch wieder müde tat, die Augen schloss musste ich es noch einmal versuchen. Wiederholt sagte ich “DA HIN!!! Sie! Setzen!!!“. Endlich stand er auf und ging. Ich konnte meine Erleichterung nicht verbergen. Wie unverschämt musste ein Mann in seinem Alter sein, um so etwas zu machen? Was hielten diese Menschen wohl von Europäerinnen, wenn sie ihnen gegenüber so ein Verhalten an den Tag legten?
Nachdenklich lehnte ich mich zurück und versuchte zu verstehen warum man sich mir gegenüber so benahm.
Nachdem Miriam wach geworden war erzählte ich ihr alles, sie ließ ihrem Ärger lauf, aber ändern konnten wir beide nichts mehr. Wenn jemand unverschämt sein wollte, dann war er es auch, vor allem im Osten der Türkei. Hier wurde Europäerinnen, die auch noch alleine reisten, nicht besonders viel Respekt entgegen gebracht.

Am Morgen konnte ich die Frauen hinter mir nicht anschauen, zum einen schämte ich mich, da dieser Widerling sich einfach so zu mir gesetzt hatte. Was haben diese Frauen wohl über mich gedacht? Zum anderen empfand ich Abneigung ihnen gegenüber. Warum halfen sie einem jungen Mädchen nicht, wenn sie sahen, dass diese sie hilfesuchend ansah?
Damals war ich noch zu naiv, um zu verstehen …


Kleidung, die krank macht.

Oktober 21, 2011

Wir alle kennen die kleinen weißen Säckchen, die wir in Schuhkartons und Verpackungen von Kleidern oder Taschen finden. Ich habe mich nie näher mit diesen weißen Säckchen beschäftigt, bis ich nicht neulich eine Doku, über Kleidung, die krank macht, sah. Darin ging es unter anderem um das Wandergift DMF, welches sich rasch in seiner Umgebung ausbreitet, sprich auch auf andere Schuhe übergeht, sofern diese sich in der Nähe befinden. Das Gift aus den Säcken kann zu Hautverbrennungen und Entzündungen führen.

In der Doku angesprochen wurden ebenfalls andere Chemische Gifte, die auch in Kleidungsstücken zu finden sind. Besonders auffällig waren die in Deutschland zu findenden Marken Graceland (von Deichmann), H&M, Tally Wejl, Levi‘s und Esprit. Einige Kleidungsstücke dieser Firmen werden mit starken toxischen chemikalischen Mitteln bearbeitet. Selbst wenn Bio Baumwolle auf den Etiketten der Kleider steht, dann ist es doch  gelogen, da zwar die Wolle bio ist, aber alle Bearbeitungs- und Färbemittel nicht. Nur Klein- und Mittelunternehmen bieten wirkliche Bio-Ware (was 1% unserer Kleidung ausmacht), denn Bio-Kleidung von der Stange gibt es nicht.

In den Herstellungsfabriken herrscht große Unwissenheit, die zu tödlichen Zwischenfällen und Krebserkrankungen führen, wie etwa in Indien, wo die Anzahl der Krebserkrankungen, in Städten mit Fabriken zur Kleiderherstellung, auf das Doppelte gestiegen ist. Die Devise lautet: Hauptsache Geld verdienen! Die westlichen Länder können nie genug kriegen und die dritte oder gar vierte Welt Länder kämpfen ums Überleben, die Gesundheit spielt dabei keine große Rolle.

Seitdem die Jeansbearbeitungsmethode mit dem Sandstrahl in der Türkei zu 100ten von Toten geführt hat, gibt es ein Anwendungsverbot dieser Methode. Doch die Textilbranche lernt nicht viel dazu, sie wechselt einfach das Land. In Bangladesch kann man schließlich noch günstiger produzieren und ein paar Bengalen mehr oder weniger, das interessiert niemanden.

Es ist traurig, wie wir in den westlichen Ländern eine solche Konsumgesellschaft und –wirtschaft auch noch unterstützen. Der Mensch könnte mit so viel weniger auskommen, aber die Gier nach mehr ist unersättlich.


Per Anhalter durch die Türkei.

Oktober 19, 2011

Nachdem meine Freundin, ein weiterer Erasmus Student und ich schon mit einem Pärchen, anschließend mit einem Jungen, danach einem LKW-Fahrer, der uns zur Rast zwang und schließlich mit zwei Jungs den Weg aus Samsun, gen Osten, zum Teil hinter uns gelassen hatten, standen wir wieder in bestimmten Abstand Anhalter auf der Straße. Ich war vorher nie per Anhalter gefahren und hab die Leute, mit denen wir fuhren, immer genau unter die Lupe genommen. Meine Freunde hatten das schon öfter gemacht, das waren eingefleischte Backpacker, während ich mit meinen goldenen Sandalchen und einem großen Wanderrucksack  ein eher lustiges Bild darbot. Irgendwann hielt ein ca. 30 jähriger LKW Fahrer an, der im ersten Augenblick nach Macho aussah. Nachdem wir unsere Backpacker Rucksäcke verstaut hatten fuhren wir weiter Richtung Rize. Mahmut stellte sich als sehr freundlicher Mensch heraus, gleich am Anfang der Fahrt wollte er anhalten um uns Nüsse zu kaufen, da diese in bestimmten Orten, an denen wir vorbeifuhren, wohl sehr berühmt für ihren guten Geschmack waren. Obwohl wir immer wieder strikt ablehnten hielt er doch irgendwann an um sich angeblich irgendwas zu kaufen. Mit Tüten voll Fladenbrot, Tomaten, Gurken und Oliven kam er wieder um sich gleich darauf mit der Hand gegen den Kopf zu schlagen, weil er irgendwas vergessen hatte. Meine Freunde schlugen sich den Bauch voll und Mahmut sah ein bisschen verzweifelt, wie alles Essen verschwand, ich aber keinen Bissen nahm. Verwundert fragte er mich warum ich nichts esse und was ich haben wolle, damit er mir was kaufen könne. Als er erfuhr, dass ich Moslem sei und faste war er völlig überrascht und hat sich gleichzeitig riesig gefreut, er hatte nämlich die ganze Zeit auch nichts gegessen, da auch er fastete. So freundeten wir uns sehr gut mit Mahmut an. Er erzählte von seiner Schwester und von seinem bisherigen Leben. Er war eine sehr vielseitige Person und auch vor dem Beruf des LKW-Fahrers viel in Europa unterwegs gewesen. In Trabzon trennten sich unsere Wege, da Mahmut dort zu Hause war. Vorher aber hielt er an und kaufte eine ganze Essenstüte nur für mich, damit ich was zum Iftar hatte. Ich war so gerührt von dieser Geste und zugleich zutiefst beschämt. Ich hatte doch das Geld um mir Essen zu kaufen, aber Mahmut wollte nichts hören, dickköpfiger lieber Türke. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Mahmut und wünschten ihm alles Gute. Nie werde ich diese liebe Geste vergessen. Nichts ahnend, was noch auf uns wartete machten wir uns auf den Weg. Es war Zeit weiterzukommen…


Ein Tag, der die Welt veränderte.

Oktober 4, 2011

Ein Verbrechen, das die Welt heute immer noch bewegt, ein Massenmord „im Namen des Islam“. Zehn Jahre nach 9/11 ist das Thema Terror immer noch aktuell. In den Zeitungen, im Fernsehen, im Radio und überall auf den Straßen liest, hört und sieht man nur noch ein Wort „Terror“ und daneben die von den Medien erfundenen Begriffe wie „Islamist“ und „Dschihadist“.

Für viele Muslime veränderte dieser Tag ihr Leben. Islam war für die westliche Welt zu einem Synonym für Terrorismus geworden. Bis heute werden die Medien nicht müde den Begriff Islam stellvertretend für die Islamistischen Fundamentalisten zu gebrauchen und ein Großteil der westlichen Bevölkerung glaubt alles, was er in den Medien sieht und hört.

Mich verblüfft immer wieder die Unwissenheit der Menschen. Wie können Sie jahrelang Tür an Tür mit einer Religion leben ohne sich jemals wirklich für diese interessiert zu haben? Wie können aus den Nachbarn plötzlich Terroristen geworden sein, wo man sich doch gestern noch so nett mit ihnen unterhalten hat? Wie können sich Menschen für so dumm verkaufen lassen und blind alles glauben was ihnen die Medien vermitteln?

Erst letztens hatte ich wieder eine Begegnung mit der Unwissenheit. Ich traf nach langer Zeit eine Bekannte zufällig wieder und sie fragte mich ob mein Name Soundso sei, ob sie sich den richtig gemerkt hätte. Ich bejahte und sah ihr an, dass sie noch etwas sagen wollte, aber nicht richtig wusste wie. Irgendwann fragte sie schließlich ob ich Moslem sei, als ich wieder bejahte guckte sie mich mit großen Augen an und meinte verblüfft „ECHT?????!!!“. Danach kam die Frage ob ich Türkin sei, als ich verneinte meinte sie „ja, du siehst ja auch gar nicht so aus, woher kommst du, weil dein Name ist ja schon so…“. Ich erklärte, ich sei aus Bosnien und vor kurzem wieder dort gewesen, prompt schlug mir eine Ladung Unwissenheit gepaart mit Vorurteilen entgegen: „WAS?! Aber da werden sie doch alle unterdrückt!!!“ Ich sah in ihren Augen, dass sie mich für verrückt hielt, wie konnte ich nur in ein Land reisen, wo es den Islam gab, wo Menschen gequält wurden! Mir blieb nichts anderes übrig als zu grinsen (das Lachen verkniff ich mir mit Mühe). In den nächsten 20 min erklärte ich ihr unter anderem, dass die Frauen und die bosnische Bevölkerung im und durch den Islam NICHT unterdrückt werden. Verwundert und neugierig hörte sie zu und konnte kaum glauben, was sie da hörte…


Wer gut aussieht, hat es leichter.

September 30, 2011

„Wer gut aussieht, hat es leichter. Im Säuglingsalter, in der Schule, bei Gehaltserhöhungen und vor Gericht kommt man mit gutem Aussehen immer weiter“, las ich neulich in einem Artikel.

Erstaunlich ist, dass wir unbewusst selbst bei Babys auf Schönheit reagieren. Säuglinge mit einem runden Gesichtchen, einer kleinen Stupsnase und riesigen Augen wirken selbst auf Mütter anziehender. Die Schönheit eines Säuglings ist ausschlaggebend dafür wie oft er von seiner Mutter angelächelt und hochgehoben wird und wie viel Körperkontakt er von ihr erhält. Ich erinnere mich gut an einen Satz meines Cousins, als er nach der Geburt seiner Schwester einen zweiten Säugling ansah und meinte „Mama, dieses Baby ist aber hässlich!“. Das Kind war zu früh auf die Welt gekommen und wog gerade mal 1,5kg, während seine Schwester, stolze 60 cm lang und über 4kg schwer, natürlich neben dem mageren Baby wie ein Wonnepropen einfach nur zum knuddeln aussah.

Doch warum lassen wir uns vom Äußeren eines Menschen so beeinflussen? Liegt es daran, dass wir Schönheit mit gut gleichsetzen und Hässlichkeit mit böse? Alleine schon die sprachliche Verwandtschaft von hässlich und hass weist darauf hin.

Ich kann nicht behaupten, dass die Hochglanzmagazine und das heutzutage verkörperte Schönheitsideal spurlos an mir vorbei gegangen sind. Ich versuche, genauso wie viele andere Frauen dieser Welt, soweit möglich stilvoll und gut gekleidet zu sein. Mit gut meine ich zum Teil dem Trend entsprechend zum Teil qualitativ hochwertig. Wobei ich nicht unbedingt auf Markenprodukte achte, erwische mich selbst jedoch dabei, wie ich mir manche teuren Sachen gern kaufen würde. Und glauben wir nicht alle ein bisschen, dass Qualität = teuer ist? Wollen wir nicht alle ein Stück weit bestimmte Statussymbole besitzen?

Ich frage mich ob unsere Vorstellung von Schönheit heute völlig der Mode unterworfen ist. Wenn ich mir bestimmte Frauen aus dem Mittelalter ansehe, gelten diese auch heute noch als schön. Betrachte ich allerdings den Körperbau der Frauen aus bestimmten Zeitperioden, dann kippt das Bild von mager zu drall oder umgekehrt.

Ich glaube wir empfinden das als schön, was wir gewohnt sind. Schönheitsideale sind uns bis zu einem gewissen Grad angeboren werden uns aber auch anerzogen. Uns wird von Kindesalter hin gesagt, was wir als schön und was als hässlich betrachten sollen, wir bekommen sozusagen eine Gebrauchsanleitung. Nicht ein mal im Märchen finden wir einen Bösewicht oder eine Hexe, der/die gut aussieht.

Nur allzu oft höre ich den Satz „ich achte auf innere Schönheit“, doch glaube ich nicht, dass dies bei allen Menschen der Wahrheit entspricht. Ich glaube eher es ist die Angst davor, wie andere reagieren würden, wenn man freiheraus seine Meinung zu dem Äußeren fremder oder seiner Mitmenschen machen würde. Dabei übersehen viele, dass es gerade die inneren Werte sind, welche uns innige Freundschaften knüpfen, an andere Menschen binden und deren wahre Schönheit erkennen lassen.

Ein passendes Zitat hierzu sind Shakespeares Sonette, in welchem es heißt: Wenn erst mal „40 Winter deine Stirn beschweren und Furchen ziehn durch deiner Schönheit Flur”, sei von der jugendlichen Pracht nur noch “ein wertlos Ding, ein schlechter Lumpen” übrig.

Wir sollten niemals vergessen, dass Schönheit, genauso wie alles andere in diesem Leben, vergänglich ist.


“[...] Bosnische Sprache exisitiert nicht!”

September 27, 2011
Am späten Nachmittag kommen wir in Mostar an. Keiner von uns war je hier gewesen. Vor unseren Augen breitet sich ein ganz anderes Bild aus, als im Norden Bosniens. Der Norden ist grün und voller Berge, der Süden hingegen bietet fast eine Wüstenlandschaft.

Die Stadt ist wunderschön, eine der schönsten, welche ich bis jetzt gesehen habe. Der türkische Einfluss ist nicht zu verkennen. Alles hier erinnert mich an die Türkei. Die kleinen Gassen, die Waren und Touristensouvenirs und der Stein, aus welchem die Häuser erbaut sind. In einer mir fremden Stadt habe ich das Gefühl als wäre ich nach Hause gekommen.

Nachdem wir uns mit einem Essen gestärkt hatten, ging es auf die Suche nach einem Buch: „Gramatika bosanskog jezika.“ (Die Grammatik bosnischer Sprache) Gleich im ersten Buchladen wurde ich darauf hingewiesen, dass es das Buch in anderen Läden gibt, da diese allerdings nur bis 16 Uhr geöffnet hatten musste ich, ohne mein Buch kaufen zu können, wieder abfahren.

Ein paar Tage später fuhr ich mit meiner Mutter nach Banja Luka. Sie wies mich vorher darauf hin, dass ich das Buch nicht in Banja Luka finden würde, ich aber blieb stur und war überzeugt, dass es die Bosnische Grammatik in so einer großen Stadt geben müsse. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, wie verhasst das bosnische Volk in dieser Stadt zu sein scheint.

In der Fußgängerzone des Zentrums blieb ich an einem Bücherstand stehen um nachzufragen ob der Herr mein Buch habe. Er sah mich verdutzt an und fragte nach ob ich nicht die Serbische Grammatik haben möchte, ich verneinte und er gab höflich zur Antwort, dass er mein Buch nicht hat. Ich fragte nach einem Buchlanden, wo ich es evtl. finden könne, er gab mir eine Wegweisung, ich bedankte mich und drehte mich zum gehen um. Hinter unserem Rücken hörten wir eine Frau, welche neben dem Verkäufer gesessen hatte, uns beleidigen und fluchen, der letzte Satz den ich mitbekam war in verächtlichem Ton „ die Bosnische Sprache existiert nicht!“. Wir gingen ohne uns umzudrehen weiter. In den darauffolgenden Buchläden konnte man uns ebenfalls nicht weiterhelfen, das Buch der Bosnischen Grammatik gab es nirgendwo.

Schließlich versuchten wir es auf einer Bücherausstellung in Banja Luka. Ein riesiger Raum, mit diversen Ständen und übersetzten Buchtiteln aus aller Welt. Ein paar Stände über Lehrbücher gab es auch, diese hatten mein Buch natürlich auch nicht. Selbst hier fand ich an keinem Stand ein Buch der Grammatik der bosnischen Sprache, Kroatische Grammatik hingegen war zu finden.

Ein mal fuhr mich ein Mann barsch an. Nachdem ich ihn um ein Buch der Grammatik der Bosnischen Sprache gefragt hatte, drückte er mir eines auf kyrillisch in die Hand. Ich wies darauf hin, dass ich das nicht lesen könne und er sagte verärgert, dass ich die Serbische Grammatik in keiner anderen Schrift finden werde (was dem nicht so war, diese gab es bei anderen Anbietern auch in lateinischer Schrift). Ich wiederholte, dass ich die bosnische Grammatik suche und nicht die Serbische, woraufhin der Mann mich anfuhr, dass es so etwas nicht gibt und mir den Rücken zuwendete. So ging es mir den ganzen Tag, meine arme Mutter lief stundenlang mit mir durch Banja Luka und fuhr mich sogar zur Bücherausstellung, nur um sich eine Abfuhr und Beleidigung nach der anderen mitanzusehen. Irgendwann gab ich auf und wir fuhren nachdenklich wieder nach Hause. In meiner Heimat Bosnien und Herzegowina gab es kein Buch der Grammatik der Bosnischen Sprache, kein Buch über die eigene Landessprache, nicht in der zweitgrößten Stadt Bosniens, nicht in der Serbischen Republik…

Enttäuscht und wütend sah ich am Abend die Nachrichten. Was ich da hörte bestätigte ein Mal mehr alles, was ich am Tag erlebt hatte. In den Nachriten erwähnte man am Anfang kurz die Serbische Republik* und danach folgten nur noch Aussagen über Serbien. Ein bisschen verdutzt hörte ich zu, die ganze Zeit sprach man von Serbien nannte allerdings bosnische Städte. Traurig stellte ich fest, dass ich und meine muslimischen Brüder und Schwestern in unserem eigenen Land ausgegrenzt und als etwas fremdes und störendes empfunden wurden. Bosnien war nicht mehr Bosnien, uns weggenommen und zerstört war es die Serbische Republik…

*Bosnien wurde nach dem Balkankrieg in Serbische Republik und die Föderation geteilt.


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